Hinter der Mauer

„Wir leben in einer Welt voll Mauern, und diese Mauern müssen von Männern mit Gewehren beschützt werden“

Das ist ein Zitat aus meinem Lieblingsfilm, stammt von 1992 und ist noch immer aktuell. Kiew will im Osten der Ukraine eine Mauer an der Grenze zu Russland bauen, Israel hat das schon hinter sich. 2004 wurde eine riesige Mauer zwischen Jerusalem und den Palästinensergebieten gebaut. Zehn Meter hoher und 1,30 Meter Beton grenzt nun die Westbank (Westjordanland) von Israel ab. Was schrecklich für die Bewohner hinter der Mauer und die zwecks deren Bau quasi enteigneten Landbesitzer sein mag, hilft der israelischen Sicherheit immens. Seitdem die Mauer steht, sind die Selbstmordattentate in Israel signifikant zurück gegangen. 2006 fand der letzte statt.

Wir wollten beide Seiten der Mauer sehen und haben am Montag mit der israelischen Seite, sprich mit Jerusalem angefangen. So zeitig, wie wir uns das vorgenommen hatten, sind wir natürlich nicht aus dem Nest gekommen, aber zumindest waren wir so zeitig dran, dass wir mit dem Shuttlebus, der uns günstige 24 Schekel (rund 5 Euro) p.P. gekostet hat, um 11 in Jerusalem, der wohl umstrittensten Stadt der Welt ankamen. Sowohl Palästina als auch Israel sehen Jerusalem als ihre Hauptstadt an. Davon haben wir nicht viel mitbekommen. Die Innenstadt wirkt sauber, modern und ziemlich israelisch. Überall gibt`s Humus und Falafel, in der neuen Niedeflurstraßenbahn sitzen größtenteils weiße Israelis neben unschön riechenden Juden in traditioneller Kleidung, also schwarzen, langen Anzügen und großen Hüten oder Kippa, teils mit unmodischen langen Haaren an den Schläfen und mit Maschinengewehren bewaffnete Soldaten.

Trotzdem wirkt die Stadt sehr harmonisch und friedlich, davon dass erst am Vortag eine riesige Demonstration inklusive Pferdestaffeln und Wasserwerfern war, haben wir nichts mitbekommen. Die Altstadt Jerusalems ist von einer riesigen Stadtmauer umgeben, die man durch Tore passieren kann. Kurz vor dem „neuen Tor“ haben wir uns von einem netten älteren Mann anquatschen lassen, der anbot uns alles zu zeigen. Für 100 Schekel (20 Euro) p.P. hat uns der christliche Typ in die Altstadt geführt. Es gibt dort mehrere Viertel, ein christliches, ein jüdisches, ein arabisches und ein armenisches Viertel. Die jeweiligen Gruppen bleiben in ihren Vierteln, im jüdische Viertel sieht man so gut wie keine Araber, andersrum gibt’s im arabischen Viertel keine traditionell jüdisch gekleideten Leute. Wir haben uns in den Viertel unzählige Kirchen angeschaut und uns die selbst für mich spannenden Geschichten vom Guide erzählen lassen. Auf dem Dach des österreichischen Hospiz, das jetzt als Hotel genutzt wird, konnten wir einen tollen Blick über die Altstadt mit dem Felsendom und der Al-Aqsa Moschee erhaschen.

Faszinierend war unser Besuch in der Grabeskirche. Schon krass an dem Ort zu sein, in dem Jesus ans Kreuz genagelt, als er dann tot war wieder abgemacht, gesalbt und schließlich begraben wurde. Direkt zum Grab sind wir nicht, da war eine sehr lange Schlange, und das obwohl so gut wie keine Touries in der Altstadt unterwegs waren. Die jüngsten Ereignisse in Israel haben wohl doch sehr viele Besucher abgeschreckt. Was mich an dieser Kirche besonders interessiert hat, ist, dass sich mehrere Glaubensgemeinschaften sozusagen in das Gotteshaus reinteilen. Innerhalb dieser einen Kirche hat jeder seine Ecke, die griechisch Orthodoxen, die Franziskaner, und den Schlüssel zur Grabeskirche hat eine muslimische Familie.
Ebenso faszinierend ist es, die Gläubigen zu beobachten, die voller Hingabe und mit Tränen in den Augen heilige Felsen berühren. Etwas gruselig wurde es für uns an der Grabstätte Davids (einem König von Israel). Dort sind wir rein, haben uns Leihkippas geben lassen (denn ohne darf man diesen Ort nicht betreten) und sind durch zwei Räume zum Grab. Die Juden, die dort beteten machten uns Angst. Sie gaben komische Laute von sich, hatten alle Gebetsbücher vor sich, ihre Körper haben sie dabei sehr eigenartig bewegt, sie standen teilweise nur wenige Zentimeter vor den Wänden des Gebäudes und schienen in einem Trance-ähnlichen Zustand zu sein. Ehrlich gesagt – ohne jemandem zu Nahe zu treten – sahen sie aus wie fanatische Geistekranke. Der jüdische Glaube erlaubt es nicht, dass Frauen und Männer zusammen beten, deswegen wiesen Schilder an den Wänden darauf hin, wohin Männlein und Weiblein hinzugehen haben. Von außen, und das äußerte ich dummerweise auch, sah es nach etwas anderem aus. Ich fragte Sven, als mir noch nicht klar war wovor ich stehe, ob das hier ein Klo ist. Das war mir dann selber arg peinlich.

Unser Guide führte uns noch zu einem Punkt, von dem aus man die Klagemauer und den Felsendom bestens sehen kann und führte uns dann zu einem Restaurant im arabischen Viertel. Dort haben wir nicht gegessen, sondern uns lieber außerhalb der Altstadt eine Falafel reingezogen. Später sind wir nochmal zum Jaffator (Stadtmauertor) um von dort aus auf der Stadtmauer zu wandeln. Toll. Von dort aus hat man eine tollen Blick auf Jerusalem und die große böse Mauer, die die Stadt von der Westbank trennt. Zum Grab von Oskar Schindler (man erinnere sich an Schindlers Liste) konnten wir an diesem Tag nicht mehr, das hatte schon seit 14 Uhr geschlossen. Also sind wir nach einem langen Tag zurück zum Bus geschlendert und gen Tel Aviv nach Hause gefahren. Mit vereinten Kräften, oder besser gesagt mit vier Handys haben wir fleißig fotografiert und haben wohl den schlimmsten Japanern Konkurrenz gemacht. Die Resultate gibt`s jetzt:

Nach diesem Tag waren wir zwar ziemlich alle, trotzdem haben wir noch unsere Kumpels aus der Evita Bar zu uns eingeladen, haben ein Schlückchen getrunken und sind noch Feiern gegangen.

Am nächsten Tag haben wir uns ein Beachballset und einen Volleyball gekauft und einen ausgiebigen Tag am Strand verbracht. Schon am nächsten Tag wollten wir wieder nach Jerusalem, weswegen wir den Abend ruhig angehen ließen. Unser zweiter Tag Jerusalem begann recht nervig. Ein fieser Stau war der Grund dafür, dass wir wieder erst nach elf da waren, obwohl wir deutlich eher los sind. Unser erstes Ziel war Yad Vashem, eine Holocaust Gedenkstätte. Dort sind wir in das wirklich atemberaubende Museum gegangen. Dort wird per Audio Guide durch die Galerie des Grauens geführt und die Geschichte des zweiten Weltkriegs in einem derartigen Umfang erzählt, dass man allein dort einen kompletten tag verbringen könnte. Gerade ich als latent geschichtsuninteressierter Mensch habe am längsten gebraucht, ehe ich wieder draußen war. Es war unglaublich spannend und mit gerade mal vier Euro Eintritt auch echt erschwinglich.

Erst gegen 15 Uhr konnten wir den Weg Richtung Innenstadt antreten – wieder zu spät um das Grab von Schindler oder den Felsendom zu besichtigen. Also sind wir für acht Schekel p.P. nach Bethlehem, der Geburtsstätte Jesus gefahren. Auch das hat wegen Stau ewig gedauert. Endlich angekommen haben wir uns von einem Taxi zur bösen Mauer fahren lassen um sie endlich mal aus nächster Nähe zu sehen. Das ist echt ein Koloss. Unzählige Grafittis zeugen von der Unzufriedenheit der Palästinenser. Auch in Bethlehem haben wir uns mit Leuten unterhalten. Ein Palästinenser hatte in Deutschland studiert und klärte uns auf, wie schwer es ist, nach Israel zu kommen. Palästinenser brauchen spezielle Genehmigungen um nach Jerusalem reisen zu dürfen, in die Stadt, die sie als ihre Hauptstadt ansehen. Israelis dürfen zumindest theoretisch nicht nach Palästina, hier wird der Konflikt deutlich sichtbar. Unser Eindruck von Bethlehem war gut, die Menschen dort sind unheimlich nett, die Stadt wirkt nicht arm, bezahlt wird auch mit israelischen Schekel – allerdings ist hier das meiste doch deutlich günstiger.

Die Geburtskirche Jesus wurde gerade umgebaut, und ist auch sonst recht schmucklos. Aber hey, wir waren zumindest mal da.
Gegen 19 Uhr sind wir wieder Richtung Heimat aufgebrochen. Im Gegensatz zur Einreise nach Palästina wurden wir bei der Einreise nach Israel kontrolliert. Die Palästinenser im Bus mussten an der Grenze aussteigen und sich durchsuchen lassen, wir konnten sitzen bleiben, mussten aber den Ausweis und den Einreisestempel zeigen.

Wieder zurück in Tel Aviv sind wir nachts in drei verschiedenen Clubs gewesen, der letzte war zwar von der Location her toll, aber die Preise (16 Euro Eintritt, 10 Euro für nen Longdrink) und die harte Technomusik haben genervt.

Die Bilder vom zweiten Tag Jerusalem gibt`s jetzt:

Heute war ewiges ausschlafen, einkaufen und Strand angesagt. Heute geht`s auch auf die Piste, schließlich ist in Israel der Freitag quasi unser Samstag, Sonntag ist hier ein normaler Arbeitstag. Unser nächster Trip wird uns wohl zum toten Meer führen. Ob wir es vielleicht geschafft haben, trotz des Salzgehaltes unterzugehen, erzähl ich beim nächsten Post – jetzt sag ich tschüss und PROST!

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