Feiern bis zum Tod

Wir leben noch. Alle. Trotzdem passt die Überschrift, denn bis zu unserem gestrigen Trip ans Tote Meer, haben wir nicht viel mehr gemacht als den Strand genossen und eben gefeiert. Von der ersten Partynacht hatte ich ja schon geschrieben, die zweite, am Freitag, sollte ganz ähnlich sein. Nach etwas Aufhübschen sind wir zur „Forever Tel Aviv“ gegangen, einer vermeintlich riesigen Party in einer ebenso großen Location. Als wir ankamen, sahen wir, dass die Location tatsächlich riesig war, nur war der Club leider so leer wie die Wüste Negev im Süden Israels. Wie wir später feststellen durften, lag das allerdings an der Uhrzeit. Naiv wie wir nun mal sind, waren wir schon früh um 1 angetütelt am Rand der Tanzfläche – wohl zu zeitig für Tel Aviver Verhältnisse, kurz vor 2 war der Club dann rammelvoll. Es war wirklich ziemlich cool, der DJ hat nicht nur ein zwar hartes, aber doch tanzbares Liveset gespielt, sondern sich selbst mit einem Elektroschlagzeug begleitet – und das mit einer Leidenschaft, als hätte er seinen Traumjob mit seinem Lieblingshobby verbunden. Bis um 6 haben wir uns in den Massen herumgetrieben, ehe wir mit einem Taxi heim sind.

Am Samstag, wir hatten ja nun gelernt, dass man später „weg“ geht, haben wir es erst 16 Uhr zum Strand geschafft. Nach einer Weile des Rumgammelns am nördlichen Srand Tel Avivs, habe ich mich mal alleine abgeseilt um Selbigen im Süden anzusehen. Also bin ich Richtung Jaffa am Strand geschlendert, musste aufpassen, dass ich mich nicht von den unzähligen Elektro-Bike-Fahrern und Joggern umfahren/rennen lasse und war eine gute Stunde unterwegs. Damit habe ich aber noch längst nicht den ganzen Strand „geschafft“. Der ist nämlich sehr weitläufig, und überall einladend. In kurzen Abständen findet man Volleyballfelder, Outdoor Fitnessstudios,  in denen man seinen Körper mit Hilfe des eigenen zu reduzierenden Gewichts stählen kann. An der Promenande sind überall Tische, Sitzmöglichkeiten, Grillplätze – kurzum: Ein ziemliches Sommerparadies.

Etwas spät kam ich zu den Jungs zurück – fast wären sie ohne mich schon nach Hause gegangen – die Sonne war mittlerweile untergegangen. Spätestens dieser Umstand verriet uns, dass es Zeit für die nächste Party wurde, die an diesem Abend (Samstag) etwas speziell werden sollte. Lady Gaga war in der Stadt, da die Karte 80 Euro kostete, der Gig aber in einem riesigen Park Open Air stattfand, entschlossen wir uns dort hinzufahren, und dem Spektakel von außen zu lauschen. Das hat auch ganz gut geklappt, wir waren auch nicht die einzigen, die auf diese glorreiche Idee gekommen sind. Da „unser“ (ok, Phils) Durst nach Lady Gaga Klängen noch immer nicht gestillt war, sind wir, nachdem es ewig gedauert hat einen Taxifahrer zu finden, der uns für einen fairen Preis zurück in die Stadt bringen kann, zur Lady Gaga After Show Party gegangen. Die war kostenlos, in einem Club mit super Licht- dafür unterirdischer Soundanlage und anfangs noch wirklich lustig. Als dann ab ca. 3 Uhr aber wirklich nur noch Lady Gaga Gejaule, anscheinend ihre ganze Discografie,  auf uns einprasselte, sind wir dann aber „schon“ um 4 gegangen. Der nächste Strandtag wurde von einem Essengehen gekrönt, wir sind in ein angesagtes (so hat`s zumindest der Lonely Planet Reiseführer definiert) typisch israelisches Restaurant gegangen. Dort waren wir zwar nach der Vorspeise schon völlig vollgefressen, haben uns aber natürlich noch den Hauptgang runtergewürgt und das Essen einheitlich als so lala bewertet. Alles kosher, kein Fleisch, erinnerte ein bisschen an dickflüssige Soljanka.

Bei aller Feierei hab ich das Fotografieren aber nicht vergessen, ein paar hoffentlich nette Bilder kann man jetzt hier anklicken

Man mag es nicht glauben, aber nach drei Tagen Durchgefeier hatten selbst wir genug und planten den nächsten Trip. Es sollte zum Toten Meer und nach Jericho (die wohl älteste, durchgehend besiedelte Stadt der Welt) gehen. Ein Strich durch die Rechnung machte uns der Umstand, dass die im Palästinensergebiet liegt und man dort nicht mit nem Mietwagen hinfahren darf. Auch der Lonely Planet verriet uns, dass der Reiz dieser Stadt wohl eher marginal ist, und man, wenn die religiösen Städten angeschaut sind, versucht, so schnell wie möglich wieder wegzukommen. Also entschlossen wir uns kurzerhand mit einem winzigen Sixt-Mietauto über die Route 1 (der gesicherte Highway) von Tel Aviv über Jerusalem ans Tote Meer zu fahren. Schon die Strecke dorthin war spannend. Die Gegend nach Jerusalem wurde unwirtlicher, Vegetation schien so weit entfernt wie modernes Leben, wir fuhren vorbei an Geröllhügeln, Ziegenhirten, die vor armseligen Hütten ihre Viecher betrachteten, immer weiter abwärts – das Tote Meer liegt über 400 Meter unter dem Meeresspiegel. Am Nordende des Toten Meeres angekommen, bogen wir auf die Route 90, die man mit einem israelischen Mietwagen auch befahren darf, und fuhren am Toten Meer entlang gen Süden.

Unser erster Stopp war Mineral Beach, ein, man könnte es erraten, Strand direkt am Toten Meer. Selbiger war verdammt steinig und die Kohle, die man von uns haben wollte um zu ihm zu kommen, ziemlich viel. 10 Euro pro Person mussten wir löhnen – aber das hat sich gelohnt. Am Beach konnte man sich mit heilendem Schlamm beschmieren und wie ein Negerkuss ins salzige Wasser eintauchen. Ersteres war ganz witzig, Zweiteres ein lang gehegter Traum. Nie konnte ich es mir vorstellen einfach so im Wasser treiben zu können ohne zu schwimmen, ohne unterzugehen. Genauso war es aber. Es war sogar richtig anstrengend die Füße nach unten zu kriegen, weil der Auftrieb so stark wirkt. Nach einem ausführlichen Bad im Toten Meer sind wir noch in einen Schwefelpool gegangen. Der stammt aus natürlichen heißen Quellen, ist 40 Grad warm und ebenfalls so salzig, dass man an der Oberfläche treibt. Das war herrlich entspannend. Man hätte auf dem Wasser einpennen können. Wenn da nicht die Zeit gewesen wäre, die wie im Flug verging. Also zogen wir weiter Richtung Süden, zu „Ein Gedi“, ein Natur Reservoir, ein Spa, ein Beach und ein Kibbuz. Wir haben uns auf das Erste beschränkt und sind in eine wahre Naturoase eingetaucht. Das heißt auf deutsch: 7 Euro Eintritt pro Person – und einen herrlichen Wanderweg in eine Felsschlucht in der ein kleiner Fluss fließt und die im völligen Gegensatz zur restlichen toten Gegend saftig grün und mit allerhand Getier ausgestattet ist. Wir haben unzählige Bergziegen, Vögel und kleine Bieberähnliche süße Tierchen gesehen und sind nach ca. 40 Minuten laufen und in Naturpools schwimmen am unteren Ende der David Falls angekommen. An dieser Stelle ergießen sich gleich zwei Wasserfälle ins Tal und bilden den Höhepunkt des Lebens in dieser Ödnis. Das war wirklich toll.

Das letzte Ziel am toten Meer sollte Masada sein, eine Festung, zu der man (theoretisch) über den Schlangenpfad aufsteigen kann. 70 nach Christus hatten die Römer Jerusalem erobert, nur ein paar hundert jüdische Männer und Frauen lehnten sich gegen die Eroberer auf und verzogen sich nach Masada. Auch diese Festung holten sich letztlich die Römer, die verbliebenen Juden brachten sich allesamt (bis auf 5), noch vor der Stürmung der Festung um. Der Tod war ihnen lieber als das Sklavenleben unter den Römern.

Wir hätten diese Festung auch gern erobert, aber die demotivierten Einlasser am Fuße des Berges bestätigen uns das, was auf den Schildern stand. Geöffnet bis 16 Uhr. Es war 16:55 Uhr als wir dort waren – blöd.

Carsten hat`s gefreut (nicht mehr diesen steigen Weg hoch latschen ;-)), den anderen war`s ein wenig egal, nur ich war etwas entäuscht, hatte mir doch meine Mom in höchsten Lobestönen davon vorgeschwärmt. Naja – „ein anderes Mal“.

Unsere knapp dreistündige Rückfahrt war aber auch ein Highlight für sich. So sind wir bis zum südlichen Ende des Toten Meeres und dann aufwärts durch unwirkliches, lebensfeindliches Gebiet Richtung Nordwesten gefahren. Man hatte das Gefühl auf dem Mond herum zu cruisen, steile, gewundene Straßen, riesige Schotterhügel, Felsschluchten, rötliches Licht vom Sonnenuntergang. Wirklich spektakulär. Nicht ganz so toll waren die nervigen Highways ab Arad, einem Städtchen auf  Normallevel. In Israel wird gebaut. Nicht nur illegal im Westjordanland, auch im Kernland selbst. Häuser, Einkaufszentren und vor allem: Straßen. Mit 60 mussten wir uns endlose Kilometer über Highways Richtung Tel Aviv kämpfen, abends um 9 waren wir dann aber doch endlich wieder heim. Nach nem von Carsten bereiteten Abendmahl und ner kleinen Pokerrunde ging es ins Bett – ohne abends noch feiern zu gehen. Wer jetzt stolz auf uns ist, bitte kommentieren ;-).

Den Tag am Toten Meer haben wir mit Bildern festgehalten, die gibt`s kostenlos, geschenkt und gratis, direkt hier und jetzt:

Heute haben wir uns Tel Aviv angeschaut – sind viel Bike gefahren, waren am Strand und in der weißen Stadt. Morgen geht`s nach Haifa und Akko. Ob sich das gelohnt hat, das gibts in Kürze hier. Bis dahin: Viel Spaß beim Arbeiten in Good Old Germany ;-).

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3 Gedanken zu “Feiern bis zum Tod”