Krisen-Urlaub oder: Greecenurlaub

Soll ich, oder soll ich nicht? Ist ein Urlaub so bedeutend, dass es sich lohnt einen Blog Artikel dazu zu schreiben? Diese Frage stelle ich mir eigentlich immer wenn es weiter weg als Berlin geht. Meistens komme ich zu dem Schluss, dass es sich nicht wirklich lohnt, `nen Facebook Post tut es schließlich auch. So dachte ich auch am Anfang dieser Reise: Knappe zwei Wochen Griechenland, drei volle Tage Athen, dann mit der Fähre nach Mykonos, dann nochmal ein Tag und eine Nacht in Athen, und dann zurück nach Hause. Jetzt, auf der Fünf-Stunden-Fahrt vom Hafen in Piräus auf die Jet-Set Insel Mykonos habe ich meine Meinung offensichtlich geändert. Nun doch einen Blog Post. Und wie immer beginne ich am Beginn, und nicht etwa mitten drin:

Nachdem sich unsere Freunde und Reise-Buddies Sven und Phil dieses Jahr alleine aus dem Staub gemacht haben (Kanada – USA Reise (ok, wir hatten nur keine Kohle mitzukommen)) mussten wir uns selbst was suchen. Die Wahl war keine Schwierige, schon seit Längerem haben wir, Carsten und ich, Lust auf Griechenland. Mittelmeer, Wärme, eine interessante Hauptstadt voller Geschichte, eine Insel mit großer Szene und weltberühmten Stränden, das hat uns sehr gelockt. Also haben wir uns ob unserer schmalen Kasse immer wieder sowohl vom Urlaubsguru als auch vom gleichnamigen Piraten informieren lassen, ob es nicht ein interessantes Schnäppchen gäbe. Gab es, allerdings nur für Kreta, Rhodos, Kos – nie aber für Mykonos. Eine kleine Recherche ergab den Grund: Mykonos ist eine kleine Insel, die vor allem bei den Schönen und Reichen beliebt ist, weswegen sie für Schnäppchenjäger eher uninteressant ist. Das konnten wir natürlich nicht akzeptieren und haben uns selber auf die Suche nach Hotels und Flügen gemacht. So kam schließlich heraus, dass man sehr günstig nach Athen und von dort aus weiter mit der Fähre nach Mykonos fliegen/fahren kann. Der grundsätzliche Plan war also klar: Erst Städtetrip Athen, dann Strand- und Partyurlaub auf Mykonos. Losgehen sollte es dann, wenn es in Deutschland langsam kalt wird – den Sommer im Süden etwas verlängern, das machen wir ja seit Jahren so. Schon drauf und dran den Flug für Samstag, den 10. September ab Berlin zu buchen, erreichte mich eine WhatsApp von Jürgen, meinem Studienkollegen, der mir anbot DJ beim Holi Festival of Colours in Rostock zu machen – natürlich am Samstag den 10. Also gut, einen Tag später los fliegen, dafür ordentlich Kohle für die Urlaubskasse – der Deal war gebongt, der Flug dann für Sonntag gebucht. Was die Hotelsuche anging, brauchten wir deutlich länger. Wir verglichen hunderte Preise, lasen gefühlte 1.000 Bewertungen und buchten Schlussendlich ein Hotel in Athen, was zwar nicht direkt in der Innenstadt, dafür aber verkehrsgünstig am Hauptbahnhof lag. Ausschlaggebend waren neben der Lage auch die Bilder des Hotels, es sah sehr chic aus. Die Hotelsuche für Mykonos war um einiges schwerer. Dort kosten Hotels ca. das Dreifache, weswegen der Spagat, ein vernünftiges Plätzchen zu bezahlbaren Preisen zu bekommen, wesentlich schwieriger hinzukriegen ist. Da wir wussten, dass nicht nur Wohnen sondern auch Weg- und Essengehen kostspielig ist, suchten wir nach einer Appartementunterkunft mit Küche. Die ganze Zeit hatten wir das Aegean Hotel im Auge, konnten uns aber nicht so richtig dafür entscheiden, weil die Lage laut Hotelbeschreibung eine völlig andere als bei Google Maps war. Nach langen Abenden der Suche haben wir uns schließlich für die Kouneni Appartements entschieden. Sie liegen mitten in Chora, wie Mykonos Stadt (die einzige- und Hauptstadt) eigentlich heißt. Nun waren also alle Hotels gebucht, die Fähre und die Mopeds, die wir auf Mykonos fahren wollten, hoben wir uns dämlicherweise „für später“ auf (nun viel teurer bzw. nicht mehr verfügbar).

Völlig urlaubsreif „übergab“ ich mich am Freitagabend auf Arbeit, wurde dann von Carsten abgeholt, der nicht nur Ginger, unsere Miez, sondern auch unseren, am Vorabend gemeinsam gepackten 19,7 kg schweren Koffer dabei hatte. Am Abend kamen wir in Brielow bei Carstens Eltern an, feierten in den Geburtstag von Carstens Papa mit reichlich Whiskey rein und standen am nächsten Morgen viel zu zeitig (7:30 Uhr) auf, um auch pünktlich Richtung Rostock aufbrechen zu können. Das hat auch alles wunderbar gepasst, das Wetter war genauso großartig wie das Holi Festival und mein DJ Set (ja, ja, Eigenlob stinkt). Von 12 bis 15 Uhr durfte ich die Rostocker bespaßen, was wiederum mir einen unglaublichen Spaß bereitete. Gott sei Dank war der gerne mal äußerst kritische Auftraggeber (Jürgen) sehr zufrieden und auch das Publikum teilte mir nach dem Auftritt auf der Tanzfläche vereinzelt mit, wie schön sie`s fanden. Balsam für die Seele, zumal ich diesmal wirklich das gespielt habe, was ich so richtig toll finde. Ziemlich angetrunken ging es zurück nach Brielow, wo wir den Abend auf der Terrasse voller Vorfreude auf unseren Urlaub haben ausklingen lassen.

Unser Flug am Sonntag ging 17 Uhr, weswegen der Start in den Tag viel entspannter verlief als am Vortag. Frühstück, gammeln, packen, mittagessen und schließlich gegen 13 Uhr Richtung Brandenburg Hauptbahnhof um den Zug nach Schönefeld zu kriegen. Von Schönefeld bin ich allein dieses Jahr schon zweimal abgeflogen, Grund genug mich dort mittlerweile fast heimisch zu fühlen. Bei schönstem Wetter ging es pünktlich 17 Uhr im EasyJet Flieger nach Athen. Ca. 3 Stunden später landeten wir und mussten nach Entgegennahme unseres Koffers die erste Ernüchterung in Kauf nehmen. Anders als bei „wikitravel“ oder auch in Carstens kostenpflichtiger Reiseführer App verzeichnet, kostete die Fahrt nicht 10 für uns beide, sondern 18 Euro. Nicht nur hier stellten wir fest, dass die Griechen die Preise innerhalb kürzester Zeit deutlich angezogen haben. Aufgefallen ist mir schon am Flughafen, wie modern und chic alles ist. Griechenland hat man zur Zeit ja eigentlich immer entweder der Flüchtlinge oder der Finanzkrise wegen im Hinterkopf. Von Beidem ist nicht viel zu spüren. Nicht nur der Flughafen, sondern auch die Metro sind hochmodern, immer zweisprachig und super einfach aufgebaut. Modern hat sich auch unser Hotel präsentiert, der Check-In ging schnell, das Zimmer sah so aus, wie unsere Laune war: Super!
Das ganze Gepäck haben wir erstmal in die Ecke geknallt und sind ins Gazi Gay Village gezogen um dort was zu essen und zu trinken. So fanden wir eine kleine, süße Bar in der wir das erste Mal feststellen konnten, wie Griechenland kulinarisch so tickt. Die Portionen sind riesig und meist recht billig. Ein Cocktail in der nächsten Bar, dem MoMix war das allerdings nicht. 10 Euro ist aber für eine europäische Hauptstadt nichts Besonderes, zumal die Bar und der Cocktail wirklich Weltklasse waren. Nach einem langen Tag sind wir gegen eins ins Bett gefallen.

Am nächsten Morgen stellten wir bei der Hotelschlüsselabgabe an der Rezeption erfreut fest, dass die Rezeptionistin fließend deutsch sprach und sehr motiviert war uns in allen Belangen zu helfen. Sie hat gar nicht wieder aufgehört uns unzählige Tipps zu geben. Die haben wir natürlich dankend angenommen und unser Sightseeing Programm gestartet. Wie das war, erzähl ich gleich, vorher erstmal ein paar Bilder, die wir bis dahin geschossen haben.

Ähnlich wie in Rom hat man in Athen das Gefühl in einem einzigen riesigen Museum zu sein. Überall Ausgrabungen, Ruinen, Kirchen. Letztere sind sogar manchmal in moderne Häuser integriert was wirklich sehr interessant aussieht. Unser erster Halt war, ganz klar, der Syntagma Platz. Das ist in Athen sowas wie der Hauptplatz, um den sich alles dreht. Nördlich des Platzes steht das Parlamentsgebäude was ziemlich schmucklos aussieht aber einen schönen Garten hat, durch den wir flanierten. Danach ging es zum Tempel des olympischen Zeus, bzw. zu dessen Eingang, an dem wir uns ein Kombiticket kaufen wollten. Dieses Kombiticket hat nicht, wie im Reiseführer angekündigt 12, sondern 30 Euro gekostet, natürlich war es auch das wert. Der nächste Höhepunkt war dann das Stadion, in dem sogar schon in der Antike nachweislich sportliche Wettkämpfe stattgefunden haben. Der im wahrsten Sinne größte Höhepunkt war aber der Lycabettus Hill, ein Hügel mitten in Athen, den wir bestiegen haben um eine wirklich unbeschreibliche Aussicht zu erhaschen. Der Blick, der sich uns bot ist ganz klar nicht in Bildern festzuhalten. Wirklich atemberaubend wie groß und schön Athen von oben aussieht. Mit diesen Eindrücken sind Richtung Akropolis gelaufen um dort etwas zu essen.

In einem tollen Blog Artikel wurde das Lontos empfohlen, ein sehr hübsches Restaurant mit Blick auf die auffälligste Athener Sehenswürdigkeit, gutem Essen und super Preisen. Zusammen haben wir 37 Euro bezahlt. Für Vorspeise, Hauptgang und `nen Liter Hauswein. Super. Eine ganze Weile haben wir noch dort gesessen, haben das Treiben beobachtet und sind dann mit einem Taxi nach Hause. Die Fahrt dauerte ca. 20 Minuten und kostete nur 4 Euro. Taxifahren ist in Athen super günstig konkurriert somit fast schon mit der Metro, die ebenfalls sehr günstig ist (1,40 für 90 Minuten, 4,50 pro Tagesticket).

Eigentlich wollten wir am nächsten morgen extra zeitig aufstehen um die Akropolis zu besteigen und dabei nicht von tausenden Touries überrant zu werden, aber das hat mal wieder nicht funktioniert. So waren wir erst gegen Mittag am Haupteingang und marschierten mit unzähligen Kreuzfahrttouristen auf die Akropolis. Alles in allem wirklich sehr interessant, und trotzdem braucht man schon sehr viel Vorstellungsvermögen, damit man sich in die damalige Zeit reindenken kann. Die Akropolis hat sich auch immer mehr verändert und wurde auch bei ihrer Restauration „angepasst“, weswegen sie den Spitznamen „künstliche Ruine“ trägt. Trotzdem muss man sie gesehen haben und fühlt sich von ihrer Pracht ergriffen.
Ich sorge wahrscheinlich jetzt für eine Menge verleierter Augen, aber das Akropolis Museum haben wir uns geschenkt, irgendwie hatten wir eine akute Unlust uns die ganzen Stauen nochmal anzusehen. Stattdessen sind wir nach einem Kebab mit der Metro zur Station Neo Kosmos gefahren um dort in die Straßenbahn umzusteigen. Die hat den großen Vorteil, dass sie zu großen Teilen an der Küste entlang fährt, tolle Aussichten und `nen günstigen Transport zum Strand bietet. Die Athener Reviera wird das Gebiet genannt, was sich an der Küste erstreckt. An der Endhaltestelle der Bahn sind wir noch mal in einen Bus umgestiegen, der uns zu einem Süßwassersee direkt am Meer bringen sollte. Das war ein Tipp unserer deutschsprachigen Rezeptionistin im Hotel. Sie hat uns aber nicht verraten, dass man 12 Euro löhnen muss, nur um in diesem, zugegebenen wirklich traumhaft schönen Felsensee baden zu gehen. Das war es uns nicht wert, wir sind dann lieber an einen gepflegten Strand. Später, die Sonne war am Untergehen, sind wir nach Glyfada gefahren, ein Athener Vorort am Strand, der bei der „besseren Gesellschaft“ beliebt ist. Sehr hübsch dort, aber zu teuer für uns. Also sind wir zurück in Stadt und haben dort eher schlecht als recht gegessen. Am Abend im Hotel haben wir uns noch die Heute Show reingezogen und sind danach ins Bett gegangen – immerhin war es mittlerweile halb zwei.

Der nächste und vorerst letzte Tag in Athen sollte noch mal ein Mix aus Shopping, Sightseeing, Schlendern und Essen werden – und wurde es. Wir schauten uns die Agora an, das war der alte Marktplatz der ungefähr zwischen 500 v.Chr. und 300 n.Chr. eine wesentliche Rolle im gesellschaftlichen Leben der Menschen spielte. Vorher liefen wir noch über den antiken Friedhof Kerameikos, auf dem sich die zwei wichtigsten Tore der damaligen Stadtmauer um Athen befanden. Den restlichen Tag schlenderten wir durch Pláka, das Altstadtviertel Athens. Dort kauften wir mir ein paar Flip Flops und trauten uns danach zum Omonia, einem Kreisverkehr und recht schäbigen Platz, der in Athen als Drogenumschlagsplatz gilt. Sicher haben wir uns trotzdem zu jeder Zeit gefühlt. In Athen gibt es sehr wenig Kriminalität.

Am Abend haben wir nahe der Akropolis gespeist, sind dann heim um später nochmal ins Gazi Viertel zu gehen. Dort hatte ich schon am Sonntagabend eine Shisha-Bar erspäht, die wir nun testen wollten. Ums kurz zu machen: Das war die beste Shisha-Bar, in der ich je war. Drei Etagen ging es hoch auf eine unglaublich schöne Dachterrasse, auf der eine Bar, chillige Sitzecken und Barhocker- und Tische waren. Ein ziemlich hübscher Kellner brachte uns wirklich bezahlbare Cocktails (Caipi, gut gemixt, 7,50 €), Longdrinks (Wodka-Red Bull, 6 €) und eine Pfirsich Shisha. Im Hintergrund lief wahnsinnig gute, entspannte Deep House Mucke, alle 10 Minuten kam ein weiterer Kellner und erneuerte die Shisha Kohle – besser hätte es einfach nicht sein können. Auch noch über zwei Stunden qualmte die Shisha vor sich hin und wir waren glücklich und gleichzeitig besorgt. Wussten wir doch, dass am nächsten Morgen um 4:45 Uhr der Wecker klingelt. Also sind wir schweren Herzens raus aus dem Paradies und haben uns gen Heimat und dann ins Bett gemacht.

Immerhin haben wir noch ein wenig mehr als drei Stunden Schlaf erhaschen können, haben unsere Koffer geschnappt und sind mit der Metro zum Hafen gefahren. Dort haben wir uns noch mit Kaffee und Baguettes eingedeckt, die Tickets geholt und die riesige Blue Star Ferries Fähre betreten. Die hat mich total überrascht. Als alter Flachlandtiroler aus Mitteldeutschland kenne ich Fähren nur als kleine Boote, die maximal 8 Autos und ein paar Leute von A nach B bringen. Diese Fähre war wie ein Kreuzfahrtschiff mit 7 Etagen, mehreren Restaurants, edlen Aufenthaltsbereichen und einem Außendeck. Die fünf Stunden Fahrt haben wir gut rumgekriegt, unter anderem mit dem Schreiben dieses endlos langen Artikels. Ich hoffe, du bist noch nicht eingeschlafen. Ich habe gute Nachrichten, es hat ein Ende, denn der erste Teil der Reise ist soweit erzählt.

Im zweiten Teil stecken wir quasi schon mitten drin – wir haben den ersten Tag auf Mykonos verbracht, waren schon weg, haben die ersten Strände gecheckt und uns 1873 Angebote von Quadverleihen machen lassen. Welches Quad wir uns gemietet haben, ob die Club Kultur auf Mykonos fetzt und welche Preise hier für was aufgerufen werden, erzähle ich im nächsten Beitrag. Jetzt gibt’s erstmal etwas mehr fürs Auge als schwarze Schrift auf weißem Grund – unsere Bilder:

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