Auf in den Krieg

Ich fühle mich schlecht. Ein bisschen. Weil ich mir gerade meinen letzten Beitrag durchgelesen und festgestellt habe, dass das Ende meiner letzten großen Reise nach Nord- und Mittelamerika noch dokumentiert werden sollte. Aber eigentlich gab es nicht mehr so viel zu erzählen. Der Flug verlief entspannt, ich wurde von meinem Schatz würdevoll in Berlin empfangen und war recht schnell wieder im deutschen Alltag angekommen. Seitdem habe ich einige kleine Trips unternommen, wobei das Highlight sicher die 5-Tagesreise nach Marrakesch (Marokko) gewesen ist.
Die anderen Trips (Bootstouren auf der Havel, Männertag in Wien, Studi-Treff in Rathen) waren zwar sehr schön, aber wohl doch für Außenstehende nicht interessant genug um sie hier zu bloggen (Oder ich war jeweils einfach zu faul – mag sein)
Jetzt soll alles anders werden. Israel ist weder Malle noch Granne, ich wage zu behaupten, dass hier die meisten Leser noch nicht urlaubten, und dass die Berichte über Reisen in diesem krisengeschüttelten Land auch etwas interessanter sind.
Die Idee zu dieser Reise ist so schnell entstanden wie sie beinahe langsam wieder gestorben wäre. Im Februar blobbte eine neue WhatsApp Gruppe auf meinem alternden Handy auf, erstellt von Phil, einem sehr guten Freund, den ich in Erfurt kennengelernt hatte. Sinngemäß: “habt ihr Bock auf Urlaub zusammen, dieses Jahr, ich hätte Bock auf Urlaub, Südafrika oder Israel”.

Ich war Feuer und Flamme! Meine Eltern waren schon in Israel und mich reizt das Land ebenfalls. Tel Aviv ist zwar nicht bomben- aber regensicher, DIE Partymetropole im Nahen Osten – Jerusalem ein Schmelztigel der Religionen, Klagemauer, Felsendom, Tempelberg – interessant. Das tote Meer, indem man nicht schwimmen muss (das kann ich ja nicht so gut) und einfach an der Oberfläche treibt. Bethlehem, die Geburtsstätte Jesus, und das beste, alles “just around the corner”, Maximal 200 km von Tel Aviv entfernt. Kurz: Phil hat mit seiner Idee bei mir den richtigen Nerv getroffen. Ein Urlaub, bei dem ich all meine Leidenschaften verbinden kann, zu feiern, das Meer zu sehen, Kultur zu erleben und gleichzeitig den, durchaus fragwürdigen Kick sich in mitten einer Krisenregion zu befinden. Das alles ohne jede Nacht in einem anderen schäbigen Hostel übernachten zu müssen, das hätten meine Mitreisenden eh nicht mitgemacht.

Innerhalb von Minuten forstete ich die einschlägigen Internetseiten nach günstigen Flügen durch. Unter der Maßgabe, dass es im Spätsommer (nicht mehr ganz so heiß, schon mehr oder weniger Urlaub bewilligt) stattfinden sollte.

Für 210 Euro pro Person fand ich einen Flug mit easyjet, sogar inklusive eines Aufgabekoffers. Innerhalb von zwei Tagen war der Flug gebucht, für vier Leute: Phil, Carsten, den noch in die whatsapp Gruppe eingeladenen und in diesem Fall verdammt spontanen Sven und mich. Nachdem wir uns alle gegenseitig beglückwünschten, wie spontan wir doch seien, wurde es ruhig in unserer whatsapp Gruppe – bis wir schließlich zwei Monate später anfingen, uns eine Unterkunft zu suchen. Fündig sind wir bei AirBnB geworden, einer Plattform im Netz, auf der private (und kommerzielle) Personen (Firmen) (ihre) Appartements zur Vermietung anbieten. Ein wenig hat es schon gedauert, bis wir uns schließlich einig waren, doch dann haben wir dieses tolle Appartement gefunden. 200 m vom Hilton Beach entfernt, mitten in der City von Tel Aviv, mit 1620 Euro für zwei Wochen nicht das Billigste, aber 31 Euro pro Nacht und Person gehen für die Lage und Ausstattung in Ordnung.

Dem Urlaub schien nichts mehr im Wege zu stehen, wir ollen Naivlinge hatten allerdings die Hamas nicht auf dem Zettel, die für die Entführung dreier jüdischer Teenies im Westjordanland verantwortlich gemacht wurde. Die israelische Armee zog daraufhin los um die Jünglinge zu finden, was zwar letztlich gelang, aber alle Palästinenser unter Generalverdacht stellte und die Hoffnung die Drei lebend anzutreffen enttäuschte. Derweil begann die Hamas vor allem den israelischen Süden, aber auch alle anderen Teile des Landes mit Raketen zu beschießen. Die israelische Antwort ließ nicht lang auf sich warten, Luftangriffe folgten, Bodentruppen marschierten in den abgeschotteten Gaza Streifen ein. Krieg. Zuerst beruhigte uns Svens gelassenes “Abwarten” in der whatsapp Gruppe, mit abnehmender Zeit wurden wir aber doch unruhig. Jeden morgen las ich die News zu Israel, Google muss auch gedacht haben, ich bin ein Junkie nach schlechten Nachrichten.

Erste Umbuchungsphantasien kamen auf, doch eine mehrtägige Waffenruhe gab uns Hoffnung. In einem Skype Krisengespräch beschlossen wir, zu fliegen. Kurz darauf ging der gewaltsame Konflikt noch härter weiter, auch unsere Unsicherheit, stieg auf ein bisher nicht dagewesenes Level. Bis vor zwei Wochen war kein Ende der Kriegereien in Sicht, wir suchten Alternativen, malten uns schon aus Portugal zu erkunden, telefonierten mit easyjet, das uns eine kostenfreie Umbuchung anbot.

Vom Gedanken nach Israel zu reisen, konnten wir aber noch immer nicht lassen. Alles war gebucht, schon bezahlt, die Vorfreude groß. Dann die Eilmeldung auf Zeit.de: “Palästinenser verkünden unbefristete Waffenruhe”. Aufatmen. Die nächste Eilmeldung `ne Stunde danach: “Israelis akzeptieren die von Ägypten vermittelte Waffenruhe”.  Erleichterung. Aber hält sie? Sie hält. Wir fliegen. Einige Israelis, die wir auf einem Internetportal kontaktiert hatten, bestätigten uns, dass das Leben in Israel in geregelten Bahnen verläuft, der Iron Dome (Raketenabwehrsystem) alles abhält und man im Fall der Fälle einfach in einen, in jedem Haus befindlichen Schutzbunker geht. Diese Menschen sprechen mit so einer Selbstverständlichkeit davon, dass es einem Angst einflöst. Aber sie kennen es nicht anders. Seit 1947 ist in und um Israel immer wieder Krieg. Das Volk wird von allen Nachbarn gehasst. Das Westjordanland wird illegal von Israelis besiedelt, es untersteht formal  der palästinensischen Autonomiebehörde wird aber faktisch vom israelischen Militär kontrolliert. Palästinenser werden diskriminiert, andererseits will eine ganze Region, allen voran der Iran, nichts lieber als das ganze Land Israel dem Erdboden gleich machen. Resultat: Die Israelis leben nicht unverschuldet in ständiger Unsicherheit – und feiern dementsprechend, als wenn es kein morgen gäbe.

Wir werden es tunlichst vermeiden uns auch nur verbal in den Konflikt einzumischen – (Eine andere Art des Einbringens wäre uns vermutlich auch nur schwer möglich) – und versuchen dieses interessante Land kennen zu lernen.

Und zwar ab 6. September. 14:05 Uhr geht unser Flug ab Berlin Schönefeld, drei Stunden vorher müssen wir wegen erhöhten Sicherheitsvorschriften da sein. Zwei Wochen später landen wir wieder in Schönefeld, mitten in der Nacht.

Was kurz vor und während dieses Zeitraums passiert, werde ich wieder hier in meinem Blog dokumentieren und bebildern. Die wichtigsten Sachen sind schon mal rausgelegt:

Zwei Tage werden wir jetzt noch fleißig arbeiten um dann am Samstag früh um 7:30 Uhr gen Berlin zu fahren.
Ich freue mich wie auch bei meinen letzten Beiträgen über viele Kommentare. Damit`s auch wirklich easy ist, gibt es jetzt die Möglichkeit neben den “normalen” Kommentaren auch gleich per Facebook zu kommentieren. Dazu einfach aufs bekannte Facebook Symbol klicken. Über Likes freue ich mich natürlich auch.

Was wir beim packen alles vergessen, und ob wir`s überhaupt nach Israel geschafft haben, erfahrt ihr in Kürze hier. Ich freue mich auf ne geile Zeit!

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