Die dritte Welt (Update!)

Eigentlich gibt es den Begriff “dritte Welt” nicht mehr. Trotzdem weiß mutmaßlich jeder was damit gemeint ist und vor allem beschreibt es meinen ersten Eindruck den ich hatte, als ich nach unserer recht aufregenden Nachtfahrt von Tulum (Mexiko) nach Belize City (Belize) ankam.

Die Fahrt in einem modernen Reisebus hätte entspannt werden können. War sie aber nicht. Erstens herrschte in dem Bus eine wirklich krankhafte Kälte – die Klimaanlage war wieder mal bis zum Anschlag und darüber hinaus aufgedreht – und zweitens erwies sich die Grenzüberquerung als erstes kleines Abenteuer. Bekanntermaßen muss man in einigen zentralamerikanischen Ländern eine Ausreisegebühr zahlen, Mexiko gehört zumindest in der Theorie nicht dazu. Das war dem korrupten Grenzbeamten leider ziemlich egal, der nämlich wollte von jedem Passagier geschlagene 25 US Dollar haben. Als ein mutiger Brite nach der Grundlage dieser Gebühr fragte, bekam er keine Antwort. Zahlen konnte man nur, wen wundert`s, cash. Nix Kreditkarte, nix Bankautomat. Da wir recht viele europäische Reisende waren, haben wir uns entschlossen einfach nicht zu bezahlen und auf den eigentlich wichtigen Ausreisestempel zu verzichten. Auf belizischer Seite war das dann Gott sei Dank auch kein Problem.  Früh um 8 kamen wir nun nach einer recht schlaflosen Nacht am Busbahnhof in Belize City an. Dort hievten wir unsere Rucksäcke aus dem Bus und marschierten etwas planlos Richtung Fähre. Hier konnte ich zum ersten Mal erahnen, was mich in einigen zentralamerikanischen Städten erwarten würde. Viel Armut, heruntergekommene Häuser, Straßen, die ihren Namen nicht verdient haben und natürlich einige etwas zwielichtige Gestalten. Alle anderen haben ein Taxi genommen, wir sind gelaufen, wollten wir doch wenigstens ein bisschen von der größten Stadt des Landes sehen.

Eine Stunde später hatten wir die Fahrt mit dem Belize Express Water Taxi hinter uns und waren auf Caye Caulker, einer winzigen Insel mit unglaublichem Charme. Dort gibt es keine Straßen sondern ausschließlich Sandwege, viele kleine Gästehäuser, Restaurants, ein Hostel, Tauchshops und Bars. 3 Tage haben wir auf der Insel verbracht. Ich vor allem mit rumgammeln, entspannen, baden, sonnen, etwas Sport und abends einem Gläschen Belizischen Rum und Sinah vornehmlich mit tauchen. Sie hat einen Tauchschein und konnte nach einem Auffrischungskurs die weltberühmte Blue Hole ertauchen. 43 Meter ging es für sie in die Tiefe, ein sicher aufregendes Erlebnis.

1961 tobte vor der belizischen Küste ein Hurricane der Caye Caulker teilte. Seitdem ist der eine Teil dicht besiedelt, der andere nur wenig. Die Stelle, an der der Sturm die Insel teilte wird heute ganz einfach “The Split” genannt und ist ein wundervoller Ort um den Sonnenuntergang über dem Ozean zu betrachten, dabei günstig Cocktails zu schlürfen, zu baden und gegen die Strömung zu schwimmen. Jeden Abend trifft sich dort die Traveller Gemeinde und zieht bei Einbruch der Dunkelheit entweder in eines der hübschen Restaurants oder gleich in die Bar und danach in den Club.

Ich hab mich mit dem Feiern diesmal etwas zurückgehalten, erstens war ich nicht recht in Stimmung, zweitens ist es dort ziemlich teuer (1 $US = 2 $BZ, Abendessen im Restaurant mindestens 15 $BZ). Auch alles andere war geradezu unverschämt teuer, wenn man bedenkt was für ein niedriger Standard in dem Land herrscht. Einzig die Übernachtung war mit 20 $BZ im Hostel, bzw. 22 $BZ im Doppelzimmer recht günstig. Zumindest was die Übernachtung angeht realisierte ich in Guatemala zum ersten Mal, was wirklich billig ist. Dazu gleich mehr, erstmal hier ein paar Pix von unserer Zeit in Belize.

Am Donnerstag haben wir ausgeschlafen und sind ganz entspannt um kurz vor 11 mit dem Water Taxi und einem Auto Taxi zurück zum Busbahnhof in Belize City. Dort haben wir uns in einen der alten ehemaligen US Schulbusse gesetzt und sind in die Hauptstadt von Belize gefahren. In Belmopan gibt es eigentlich nicht viel mehr als ein paar klägliche Regierungsgebäude, Hotels (die aber nicht danach aussehen) und einen großen Busbahnhof. Letzterer ist für Reisende wie uns das Wichtigste, dient diese Stadt doch eigentlich nur als Umsteigestelle um weiter nach Guatemala zu fahren. Genau das haben wir gemacht und sind für 4 $BZ weiter zur Grenzstadt gefahren.

Kaum über die Grenze gegangen, hat man uns auch direkt versucht vom Feinsten über den Tisch zu ziehen. Sage und Schreibe 40 $US war das erste Gebot, was uns unterbreitet wurde um nach Flores, unserem ersten Ziel in Guatemala zu kommen. Da wir uns aber ganz vorbildlich belesen hatten, wussten wir, dass eine Fahrt nach Flores nicht mehr als 25 Quetzals (das ist die Währung dort) kostet. Ich sollte hier erwähnen, dass 10 Quetzals einem Euro (oder 1,30 $US) entsprechen, was wiederum bedeutet, dass der Typ uns das mehr als 10 Fache des Preises abknüpfen wollte.

Letztlich haben wir mit einem anderen Fahrer so lange gehandelt, bis er uns in seinem Collectivo, einem kleinen Bus für ca. 15 Leute, für 25 Quetzals nach Flores brachte. Flores ist ein kleines süßes Städtchen mit vielen hübschen Häuschen, engen Gassen und charmanten Restaurants welches auf einer Halbinsel, die nur mit einem schmalen Damm mit dem Festland verbunden ist, liegt. Dort erwartete uns auch gleich die nächste Hiobsbotschaft: Kein Strom. In der ganzen Stadt nicht. Nachdem wir im Los Amigos Hostel eingecheckt und auch gleich eine Tour nach Tikal, der großen Maya Stadt gebucht hatten, wurde es so langsam dunkel. Die einzigen Lichtquellen waren Kerzen und ein paar Taschenlampen. Trotz allem blühte das Leben in der kleinen Stadt. Manche bessere Hotels hatten laut knatternde Dieselaggregatoren im Garten und damit “echtes” Licht, das half uns leider nicht weiter, brauchten wir doch dringend Geld um die Tour am nächsten Tag bezahlen zu können. Für ein Abendessen reichte es noch und für ein Bier im Hostel auch.

Dann aber war Schluss mit lustig. Auf Grund der fehlenden Stromversorgung konnte ich weder duschen noch Geld abheben. Auch die eigentlich dringend nötigen Ventilatoren in dem 10-Bettzimmer standen still. In einem Raubtierhaus riecht es besser als das in dieser Nacht in diesem Zimmer der Fall war. Nach 10 Stunden ohne Strom gingen nachts um halb 2 die Ventilatoren vorübergehend wieder an und sorgten dafür, dass ich wenigstens noch eine Stunde schlafen konnte. Um 4 Uhr früh mussten wir nämlich wieder aufstehen. Die Tour startet so zeitig, damit man die Maya Ruinen noch vor der Mittagshitze (allerdings ist es hier immer sau heiß – auch nachts) und dem Touristenansturm betrachten kann.

Eigentlich machten wir dem Typ vom Reisebüro aus, dass wir erst nach der Tour bezahlen, wenn wir an einem Geldautomat vorbei kommen. Der Fahrer an diesem morgen wollte davon nichts wissen und ließ uns gleich früh am Geldautomaten raus. Nun wurde es richtig lustig. Dieser tolle Automat schluckte einfach meine Kreditkarte und fuhr dann einfach runter und startete neu. Nach unzähligen fehlgeschlagenen Versuchen meine Karte wieder aus diesem Automat zu bekommen gaben wir auf und stiegen völlig ratlos in den Bus. Letztlich konnten wir uns die 400 Quetzals von zwei britischen Mitreisenden, die wir schon seit Cancun immer wieder getroffen hatten, leihen. Ziemlich besorgt, was mit meiner Kreditkarte passieren würde, fuhren wir weiter nach Tikal.

In Tikal stehen die größten Maya Tempel der Welt. Schon Jahrhunderte vor Christus errichtete das Maya Volk einige dieser Tempel und Pyramiden. In der Stadt lebten zeitweise bis zu 500.000 Menschen. Die Blütezeit der Stadt war von 200 bis 800 nach Christus. Einige der antiken Gebäude sind über 40 Meter hoch, der Tempel 4 sogar über 60 Meter. Bedenkt man, mit wie wenigen Mitteln diese großartigen Gebäude errichtet wurden, ist man wahrscheinlich genauso fasziniert wie beim Anblick der Pyramiden in Ägypten. Wir hatten nicht nur den atemberaubenden Anblick der Tempel und Pyramiden sondern auch einen sehr guten Tour Guide der uns auf englisch so einige Interessantigkeiten zu erzählen wusste.

Mittags, als die Hitze zu nerven begann, fuhren wir nach 5 Stunden Besichtigung wieder zurück nach Flores. Meine erste Amtshandlung war der Weg zur Bank. Der komisch grinsende Bankmanager schnappte sich seinen Schlüssen, schloss den Automat auf und gab mir meine Kreditkarte zurück. Gott sei Dank. Endlich konnte ich zu einem (anderen) Geldautomat um mich wieder in einen “flüssigen Zustand” zu versetzen. Eigenartigerweise funktionieren in diesem Land nämlich unsere EC-Karten nicht. Am nachmittag entspannten wir ein bisschen am See, genossen die friedliche Atmosphäre des kleinen Flores, gingen abends essen und tranken mit unseren holländischen Freunden, die wir auf der Tikal Tour kennengelernt hatten ein bisschen Bacardi-Cola. (Echter Bacardi kostet hier nur 5 Euro).

Die Nacht verbrachten wir diesmal in einem Doppelzimmer, in das wir umgezogen waren. Auch diese Nacht war recht warm, was einem sich nun schon zum dritten Mal wiederholendem Stromausfall über mehrere Stunden geschuldet war.

Heute sind wir von Flores nach Rio Dulce aufgebrochen und haben unser Hostel, wenn man das so nennen kann, bezogen. Es handelt sich diesmal um ein 20-Bettzimmer, was aber nur mit ein paar Hanseln belegt ist. Das Haus steht im Wasser eines Sees und ist eigentlich nichts weiter als ein paar zusammengenagelte Holzstämme und ein Blechdach. Ventilatoren gibt es garnicht erst, dafür weht eine nette Seebrise durch die offene Fensterfront. Mal sehen, wie ich darin schlafe. Bevor ich allerdings schlafen gehe, zeige ich noch ein paar Bildchen von unserer Reise durch Guatemala:

Morgen machen wir einen Tagesausflug zu einer Finca, auf deren Grundstück warme Wasserfälle und Naturpools zu finden sind. Details im nächsten Post – Prost!

[UPDATE]

Nun haben wir unseren Tagesausflug unternommen. Totzdem erzähle ich davon jetzt nicht, sondern präsentiere voller stolz Sinah`s ersten Gastbeitrag:

So, jetzt melde ich mich auch endlich mal zu Wort… Für alle die mich nicht kennen: Ich bin die, die Richy seit knapp sieben Wochen erträgt 🙂 Und da Richy mich gefragt hab, ob ich noch etwas über die Blue Hole schreiben möchte, versuche ich mich heute mal an meinem ersten eigenen Blogeintrag!

Mein Tauchgang zur Blue Hole kam relativ unverhofft, denn auf’s Tauchen hatte ich mich vor der Reise nicht vorbereitet: Dank meiner Mama, die mein Chaos zu Hause im Moment besser kennt als ich und meinen Tauchschein auf Anhieb gefunden hat, konnte ich trotz mangelnder Vorbereitung das Tauchhighlight von Zentralamerika genießen. Da mein letzter Tauchgang allerdings schon zehn Jahre zurück lag, musste ich den Tauchinstructor jedoch erstmal davon überzeugen, dass ich überhaupt noch Tauchen kann. Über den Refreshing-Tag war sehr glücklich, denn so tief bin ich bisher nicht mal ansatzweise getaucht und das macht einen doch schon etwas nervös… Und dann ging ein toller Diving-Tag los: Frühstück und Sonnenaufgang um 4.30 Uhr am Bootshaus, dann zwei Stunden Fahrt zur Blue Hole und los geht’s! Und zwar ganz schön schnell: Aus Sicherheitsgründen geht der gesamte Tauchgang nur 25 Minuten und wenn man sich zu lange Zeit lässt, um die 40 m abzutauchen, geht das von den acht Minuten in der Höhe ab!
Die Blue Hole ist ein unterirdisches Höhlensystem, das 124 m tief ist und einen Durchmesser von etwa 300 m hat. Selbst von der Wasseroberfläche ist das “Loch” sehr gut erkennbar, weil es von einem Reef eingeschlossen wird und das Wasser innerhalb des Reefs viel dunkler ist! Also auch der Blick von oben lohnt sich! In 40 m Tiefe (mein Maximum war bei 140 feet, also 43 m und damit eigentlich zu tief für’s Recreational Diving) konnten wir durch Höhlenvorsprünge mit riesigen Stalaktiten (bis zu 8 m lang) tauchen. Schon alleine das hat mich sehr beeindruckt – die Haie, die teilweise nur knappe zehn Meter entfernt waren, machen diesen Tauchgang dann wirklich zu einem unvergesslichen Erlebnis (auch wenn manche erfahrenen Taucher enttäuscht waren)! Zusammen mit den zwei anderen Tauchgängen an der Half Moon Wall und im Aquarium sowie einem Besuch auf der wunderschönen Half Moon Insel und den netten Tauch-Guides von Frenchies war der Tag das Geld absolut wert (380 BZ$, also etwa 150 €)!

Auf unserer nächsten Insel in Honduras versuchen wir dann allerdings das Kitesurfing-Bedürfnis von Richy zu befriedigen 🙂 Danke nochmal, dass du die Zeit für meinen Tauchabstecher übrig hattest, Richy!

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