Dschungelcamp und Horror Hotel

Nach der Großstadt (Bangkok) und den bezaubernden Insel Ko Samui und Ko Phangan sollte es nun endlich so richtig in den Dschungel gehen. Der Khao Sok Nationalpark ist der angeblich älteste Dschungel der Welt, er hat immerhin schon über 160 Millionen Jahre auf dem Buckel. Für sein gehobenes Alter sieht er noch ganz schön lebendig aus, so viel vorab.

Gebucht hatten wir ein Stelzenbungalow im Palmview Resort, eine wunderschöne Anlage unter riesigen, dicken Palmen am Rande des Dschungels. Das wir mitten in der Natur waren, war schon deshalb offensichtlich, da uns im Zimmer gleich ein kleiner, von uns „Fred“ getaufter Gecko begrüßte. Der Bungalow an sich war aber total sauber und liebevoll eingerichtet. Alles aus Holz, ein dichtes Moskitonetz direkt über dem großen Bett und eine Geräuschkulisse wie sie nur ein Dschungel bieten kann. So schliefen wir zu einem Konzert Grillenzirpen, Froschquaken und den sirenenartigen Sound von Riesengrashüpfern ein. Nachts um 3 schreckten wir beide auf, es polterte auf einmal gar heftig auf unserem Holzdach. Wir können nur vermuten, dass eine Horde Affen darauf rumkletterte, denn die Lang-Schwanz-Makaken gibt es hier überall. Leider gesellte sich zu den Affen auch ein ordentlicher Regenschauer, der auch noch andauerte als wir früh aufstanden, um unsere am Vorabend gebuchte Tour anzutreten. Die Tour sollte uns durch den Dschungel führen, mit Longtail-Boot-Fahrten, Dschungelwanderungen und einer Übernachtung auf dem See in winzigen Bungalows die auf Treibholz auf dem Wasser errichtet wurden. Eigenartigerweise mussten wir noch über eine Stunde im Mini Van des Tour Guides fahren, bis wir am See waren. Der See ist ein gigantischer Stausee, der unfassbar groß ist und von Karstfelsigen Bergen umzingelt wird. Er ist, so hab ich das zumindest verstanden, die Hauptattraktion im Nationalpark, weswegen es so komisch ist, dass die ganzen Resorts eine Stunde davon entfernt liegen. Unsere Hoffnung auf der Fahrt im Van, dass es vielleicht doch noch aufhören könnte zu regnen, wurde nicht erfüllt. Daher kauften wir noch Ponchos und wasserdichte Handyhüllen und begaben uns nach Zahlung der 300 Baht Nationalparkgebühr auf ein Longtail Boot. Bei Wind und weiterhin strömenden Regen fuhren wir ca. eine Stunde und 20 Minuten durch eine wahrscheinlich sehr schöne Landschaft, von der man aber eben einfach nicht viel sah, weil alles komplett dunkelgrau und mit tiefen Wolken verhangen war. Auch als wir an unseren Bungalows ankamen, regnete es munter weiter. Nach einem Lunch im halbwegs trockenen gings mit der lustigen Truppe von ca. 15 Personen wieder aufs Boot, um zum Ausgangspunkt für unsere Dschungelwanderung zu kommen. Vorher fragte man uns noch, ob wir denn auch passende Schuhe mit ordentlich Gripp hätten, was ich bejahen, Carsten aber nur verneinen konnte. Er lieh sich also Gummischuhe mit Profil, eine sehr gute Entscheidung, die ich besser auch getroffen hätte. Denn schon nach den ersten Metern wurde klar, was uns erwartet: Kein Naturleerpfad mit hübschen Schildchen am Rande, kein für Touris vorbereiteter Möchte-Gern-Dschungel-Ausflug für Jedermann. Hier ging es wirklich durch den rauen Urwald. Durch Schlammwüsten, über meterhohe Wurzeln, durch reißende Flüsse, über Felsen und dichten Wald. Eine Britin sagte völlig zurecht, dass man uns gern hätte sagen können, dass die Schuhe nicht nur Gripp brauchen, sondern sich auch gut fürs Schwimmen eignen müssen. Innerhalb von 3 Minuten waren wir alle komplett nass und verschlammt, es war eine regelrechte Schlacht. Bis auf die Tatsache, dass wir gar nicht so recht die Natur genießen konnten, weil wir einfach auf jeden Schritt achten mussten, war das echt ein Abenteuer! Ich hab ja schon einige Urwälder gesehen und erlebt, ich wage zu behaupten, dass das die urigste Erfahrung in einem Urwald war.

Unser Ziel der Wanderung war eine Höhle, die leider zu viel Wasser führte. Ein Freund  unseres Guides ist darin vor einem Jahr ums Leben gekommen. Also gingen wir noch ein Stück weiter und kamen bei kleinen, tollen Wasserfällen an, bei denen wir im Wasser badend etwas Pause machten. Zu dieser Zeit machte ich mir noch keine großen Sorgen um meine Schürfwunde, die ich mir am Bein beim Sturz auf einen Felsstein um Fluss zugezogen hatte. Immerhin von oben wurde es nun langsam trockener, sodass der Rückweg etwas entspannter war. Wieder zurück am Boot sind wir zu unserem Dschungelcamp getuckelt, haben dort ein bisschen entspannt, gepaddelt, vom Steg gesprungen und auf die Evening Safari gewartet. Selbige war ein kleiner Ausflug auf dem Boot durch die vielen Arme des Sees zwischen den Bergen. Hier haben wir in reichlich Entfernung ein paar Affen und Vögel gesehen. Es war zwar trocken, aber so richtig schön immer noch nicht. Abends gab es dann sehr gutes Dinner mit Fisch, Tofu, Currys und Früchten. Danach saßen wir in der Gruppe und haben der versammelten europäischen Union versucht Mau Mau beizubringen, das war echt lustig. Die Polen hatten Wodka dabei, an der Bar gab es Bier für 1,80 und die Gespräche waren spannend. Irgendwie war dieser Tisch das gelebte Europa. Die Briten wurde nicht wieder fertig sich über ihre dumme Regierung und den Brexit aufzuregen, die Polen erzählten von ihren Jobs und die teuren Mieten in Danzig, die Niederländer lauschten interessiert und der Franzose, der immer noch das gleiche T-Shirt wie am Anfang an hatte erzählte, dass er sich vor kurzem ein Fahrrad hier in Thailand gekauft hat, und damit das komplette Land durchquert – in 3 Monaten. Gegen 10 gingen wir alle langsam Richtung Bett, dass war auch gut so, denn ab halb 11 gibt es in dem Camp keinen Strom mehr. Der wird täglich nur zwischen 18 und 22:20 Uhr durch einen Generator geliefert. Auch von jeglichem Handynetz waren wir meilenweit entfernt.

Die Nacht im Bungalow war, nun ja, nicht sonderlich schön. Klar ist es toll, so mitten drin schlafen zu können, ohne Strom, ohne Komfort, einfach so, wie man wohl in einem Dschungel haust, dennoch hätten zumindest die Bettlaken und die Tücher, die wir als Decke bekommen haben halbwegs sauber sein dürfen. Die haben aber weniger nach Dschungel sondern mehr nach Schweiß gestunken. Von den Toiletten, die man nur mit einer Taschenlampe finden konnte, und in denen es kein Toilettenpapier gab, will ich gar nicht anfangen. Die Brillen waren wahrscheinlich ähnlich alt wie der Dschungel selbst, leider fehlte ihnen die Fähigkeit der Regeneration, man kann sich vorstellen, dass man sich vor jedem Toillettengang fürchtet. Ob des üppigen Bierkonsums meinerseits, musste ich allerdings 3 Mal raus und durfte das Abenteuer so denn gleich mehrfach erleben. Auch echt kalt wurde es in der Nacht, sodass ich was langes brauchte, die stinkende Minidecke reichte nicht.

So unangenehm die Nacht, so toll war der nächste Morgen. Bei Sonnenschein machten wir auf dem Boot eine Morning Safari, die im Prinzip noch mal das Gleiche war, nur woanders lang und eben diesmal bei großartigem Wetter! Die Natur in diesem Park ist wirklich einfach atemberaubend, wen`s interessiert, googelt das mal, es ist echt der Wahnsinn, was man dort zu sehen bekommt, es wirkt fast wie auf nem anderen Planeten.

Nach dem Frühstück checkten wir aus, gaben die dreckigen Handtücher wieder ab und pflanzten uns ins Boot. Nun ging es zu einer schönen Höhle am Wasserrand mit ner reisen Spinne, Millionen Fledermäusen und tollen Gesteinsformationen. Danach schipperten wir weiter Richtung Pier, besuchten noch ein anderes Wahrzeichen des Parks, lunchten noch mal auf ner kleinen Insel und kamen dann etwas verspätet am Pier an. Unser Longtail Boot gab nämlich den Geist auf und wir mussten von nem anderen Boot gezogen werden. Zurück auf festen Boden und voller Eindrücke freuten wir uns dennoch ein bisschen darauf wieder in einem sauberen Bett schlafen zu können. Die Vorfreude wurde aber jäh zerstört, als ich auf meinem Handy den Hinweis las, dass ich von Instagram ausgeloggt wurde. Mein Kanal wurde gehackt, von einem Russen. Ich habe seitdem keinen Zugriff mehr darauf, er hat den Nutzernamen und die dazugehörigen Mail Adresse geändert. Im Netz findet man hunderte ähnliche Storys, Insta reagiert aber nur sehr zögerlich. Also ging es ohne eine Story zu posten zurück zum Palmview Resort, in dem wir unsere großen Rucksäcke, die wir dort belassen hatten, holten und auf den bereits bestellten Van warteten, der uns weiter nach Krabi bringen sollte.

Auf der vierstündigen, ruckeligen Fahrt nach Krabi ging`s mir zunehmend schlechter, irgendwie haben mich der nasse und in der Nacht kühle Dschungel und die eisigen Klimaanlagen in den Vans angeschlagen. Angekommen in Krabi haben wir unser Hotel bezogen und sind am Abend in die Stadt geschlendert, denn es war Vollmond und an selbigem findet in Thailand im November ein Opferfest statt. Man kauft Kerzenkränze mit Blumen, gibt etwas was sich hinein (ein Haar oder sowas), wünscht sich was fürs nächste Jahr und lässt das Gebilde ins Wasser. Total süßer Brauch. Nach Pizza und Spaziergang sind wir dann in eine Travel Agency um unsere Fährfahrt mit Shuttle nach Ko Phi Phi zu buchen. Das hat alles super geklappt und so sind wir am nächsten Tag in 2 Stunden auf die Party Insel übergesetzt.

Was die Partyinsel Ko Phi Phi für uns auf Lager hatte, erzähle ich gleich, jetzt erstmal Bilder aus dem Dschungel und aus Krabi:

Leider hatten wir beim buchen des Hotels auf der Insel diesmal die Rezessionen nicht gelesen, sonst hätten wir gecheckt, dass die viel zu teure Bude direkt am Strand neben einer lärmenden Beach Bar wirklich nur für Touris geeignet ist, die sich abschießen und die Nacht zu billigem Techno Beat durchfeiern wollen. Mein Fiebergefühl und die Tatsache, dass man das Gefühl hatte, der DJ legt im Zimmer auf waren einfach eine sehr schlechte Kombination. Bis nachts um zwei – JEDE NACHT – ist dort Party und prollige Russen grölen am Strand. Wir haben also versucht den restlichen Abend mit Wattenmeerspaziergang, Tour Buchung und Essen so zu verbringen, dass wir möglichst nicht im Hotel sein mussten. Irgendwann sind aber doch zurück ins Zimmer des Hotels, was so hellhörig war, dass man nicht nur die Beats sondern auch jede Unterhaltung, den Fön und die Klobesuche des Nachbarn hören musste. Nach einem mittelmäßigen Frühstück sind wir vom nem Vertreter des Tourveranstalters abgeholt und zum Pier gebracht worden. Dort bestiegen wir das Speed Boot, was uns den ganzen Tag (von 11 bis 19 Uhr) um die Phi Phi Islands kutschierte. Die 1500 Baht (also ca. 45 Euro p.P.) haben sich total gelohnt. Klar, es war sehr touristisch, aber eben auch super schön. Wir wurden zu tollen Buchten mit absoluten Traumstränden gefahren, haben geschnorchelt, tropische Fische (Carsten hat sogar einen Hai gesehen) und Korallen gesehen. Am Monkey Beach haben wir mit wilden Affen geluncht, auf Bamboo Island im weißen Sand gechillt und Eis gegessen und uns von der philippinischen Tour Begleiterin bespaßen lassen, die ihren Job fantastisch gemacht hat. Sie hatte zu jeder Situation den passenden Spruch, war zwar streng aber auch mega gut drauf und hat von uns – und allen anderen Touristen – echt coole Bilder gemacht. Ein Highlight der Tour war definitiv der atemberaubende Sonnenuntergang über dem Meer mit einer Kulisse aus felsigen Bergen, die aus dem Meer heraus ragen. Ein totaler Glücksmoment, auch wenn es mir noch immer nicht wirklich gut ging. Die Bilder, die hier entstanden sind, möchte ich natürlich niemandem vorenthalten:

Total glück diesen tollen Trip gemacht zu haben, sind wir vom Pier wieder in unser Hotel geschlendert, haben dort geduscht und uns fein für den Abend gemacht. Den verbrachten wir mit Essen und schlendert, durch das geschäftige Dörfchen auf Ko Phi Phi, in dem keine Autos fahren, aber dafür sonst alles da ist, was man an einem Touri Ort erwartet. Hunderte Fressstände, Restaurants, Tattoo Studios, Massage Salons, Bars mit dröhnender Musik und Läden, die alles verkaufen – von gefälschten Ray Ban Brillen, über gefälschte Adidas Schuhe bis hin zu gefälschten Bose und JBL Bluetooth Boxen. Gekauft haben wir nix, außer Tickets nach Phuket für 350 Baht pro Person. Gegen halb 11 waren wir wieder im Hotel, haben noch die Heute Show geguckt und haben dann versucht zu schlafen.
Am Morgen konnten wir dann endlich aus diesem Lärm-Holz-Hotel auschecken und zum Pier laufen. Nun geht es auf die nächste Party Insel. Mir geht’s etwas besser, Rotz und Schnufen haben wir beide trotzdem.

Unser Hotel auf Phuket ist in der Nähe des Patong Beach, das Hotel selbst soll diesmal sehr ruhig sein, ist aber in der Nähe der Partymeile. Über Patong, der Teil von Phuket, an dem sich das Nachtleben abspielt, habe ich sehr unterschiedliches gehört und gelesen. Deswegen haben wir auch dort erstmal nur 2 Nächste gebucht. Ob wir diesmal mehr Glück mit dem Hotel haben und wie Patong wirklich ist, dass werde ich im nächsten Post beschreiben. In diesem Sinne: Wir grüßen aus 30 Grad ins kalte Deutschland, in dem wir in einer Woche ja auch schon wieder sind J.

 

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