Es geht doch

Ich erlebe es am eigenen Leib. Man arbeitet, engagiert und identifiziert sich für/mit der Firma, in der man arbeitet. Und jedes Jahr auf`s Neue werden weitere Leistungen des Arbeitgebers weggekürzt. Nicht das man ohnehin schon so wenig Geld für recht anspruchsvolle Arbeit verdient, wird auch das, was sonst als selbstverständlich galt, weggestrichen. Sei es der Kaffee am Arbeitsplatz oder die Sommer- und Weihnachtsfeier.
Fast engagiert man sich mit dem Zustand, härt man doch von allen Ecken, dass es nirgends entscheidend anders ist. Während tausende Mitarbeiter entlassen werden und den verbliebenen der Lohn so runtergeschraubt wird, dass sie nur noch mit Mühe am gesellschaftlichen Leben teilhaben kännen, kann man jeden Morgen die Aktienkurse und Milliardengewinne der Großkonzerne im Bärsenteil der FAZ nachlesen.

Wenn mich nicht alles täuscht, nennt man diesen Zustand „soziale Schere“. Ein paar wenige Manager und Bärsianer verdienen so viel Geld, dass sich ein Normalsterblicher gar nicht vorstellen kann, wie man Selbiges alle kriegen soll, und die breite Masse zahlt die Luxusjachten, fetten Autos, und HedgeFond-Zockereien genannter Personen und muss sich teilweise schon Gedanken darüber machen, welchen Zweitjob man annehmen kännte um sein 10 Jahre altes Auto noch zahlen zu kännen.

Der Grund dafür ist einfach: Jeder Mensch denkt an sich selber und ist auf seinen eigenen Vorteil bedacht. Wer wenig hat, will mehr, wer mehr hat, will viel, wer viel hat, will noch mehr. So kommt es dazu, dass sich Manager Gehälter zahlen, die jenseits von Gut und Bäse sind. Damit sie das tun kännen, muss ihr Unternehmen erfolgreich sein. Zumindest bei Bärsennotierten Unternehmen misst sich der Erfolg fast einzig am finanziellen Ergebnis, welches jedes Viertel Jahr ausgewiesen wird. Gewinnerwartungen müssen erfüllt werden, Dividenden müssen gezahlt werden, schließlich entscheiden die Käufe der Aktien, die davon maßgeblich abhängen eben über den Erfolg des Unternehmens, nicht unbedingt, was die Unternehmen denn tatsächlich geleistet haben.

Diese Gier nach einfach noch mehr und noch mehr, noch mal mehr Geld und Gewinne zwingt die wirtschaftliche Politik der Unternehmen alles daran zu setzen den maximalen Gewinn rauszuschlagen. Also alle Posten im Unternehmen, die irgendwie Geld kosten zu minimieren. Und einer der hächsten, wenn nicht der hächste Posten sind nun mal die Lohnkosten und Sozialleistungen im Unternehmen.
Ganz vereinfacht und runtergebrochen bedeutet das: Weniger Geld für die Mitarbeiter (die machen`s doch auch so), keine Extraleistungen (Weihnachtsgeld oder wenigstens Feier) und wenn`s gut kommt: mehr Arbeit.
So sind die Kosten für Arbeit unten und maximieren den Gewinn, was sich dann auf das wirtschaftliche Ergebnis und damit den Wert des Unternehmens auswirkt.
So denken die betriebswirtschaftlichen Entscheider und haben damit kurzfristig wahrscheinlich sogar recht. Auf lange Dauer vergessen sie aber, dass schlecht bezahlte, wenn nicht ausgenommene Mitarbeiter unmotiviert sind, sich nicht mehr mit dem Unternehmen identifizieren wollen, nicht mehr mit Herzblut bei der Sache sind. Sie vergessen, dass sich eine wahnsinnig breite Masse unwohl fühlt, kein Geld mehr hat die eigenen Produkte zu kaufen, und damit den Binnenabsatz mit anzukurbeln. Sie vergessen, dass eine bessere Bezahlung zwar kurzfristig den Gewinn schmälern würde, sie aber langfristig zur Motivation, damit auch zur Produktivität und Leistungskraft des Mitarbeiters beitragen würde.

Spätestens die jetzige Situation auf den weltweiten Finanzmärkten zeigt auf beeindruckende Weise, dass nur der Blick auf den schnellen und maximalen Gewinn zum Kollaps des in Selbigem stattfindenden ungezügelten Kapitalismus führt.

Aber: Auch wenn man`s nicht glauben mag, geht es auch anders. Es gibt auch wirtschaftliche Entscheider, die eben nicht nur die äkonomischen, sondern auch die äkologischen und sozialen Aspekte in die Unternehmensführung einbeziehen.

Heute morgen, im Büro meines unbezahlten Praktikums hab ich auf spiegel.de diesen Artikel gefunden. Er macht Hoffnung und ist ein Lichtblick. Es ist ein Interview mit dem Konzernchef des Schokoladenproduzenten Ritter. Mit Alfred Ritter:

Zum Interview mit Alfred Ritter bei spiegel.de

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