Mein Glück

Gott sei Dank. Da hab ich ja nochmal Glück gehabt. Mit meiner Famile, meiner Behausung und meinen Kommunikationsmäglichkleiten. Aber fang ich mal beim Anfang an:

Am vorletzten Mittwoch wurde ich abgeholt. Aus Sydney. Gegen 11 wollte mich der Vater anrufen, um mir zu sagen, zu welcher Bahnstation ich kommen soll, damit er mich mitnehmen kann. Um 10 also auschecken, um 9 Aufstehen, um noch in Ruhe zu frühstücken und ein Käffchen zu trinken. So jedenfalls war der Plan. Der hat, wie kännte es anders sein, nicht funktioniert. Der Grund: Mein blädes Handy zeigte beim Erwachen meinerseits schon 10:40 Uhr an. Also bin ich aufgestanden, habe eine 5 Minuten Dusche genommen (ja, das kann ich!!) und hab den Rucksack gepackt.

Kurz vor 11 kam dann auch der Anruf. Nach einem kurzen Abschied von Chris, mit dem ich die letzten 2 Monate tagein tagaus zusammen war, lief ich los zum David Jones Laden in der Innenstadt. Perfektes Timing war es, denn ich traf Hamish, so der Name meines Gastvaters direkt vor dem Laden. Nach einem kurzen „How are you?!!“ sind wir in die Tiefgarage um sein kleines süßes Auto zu holen. Ein BMW X5 in schwarz mit hellem Leder. Hamish parkte in der wahrscheinlich teuersten Tiefgarage Sydneys. 24 Dollar pro Stunde, ich staunte nicht schlecht.
Unsere erste Station war der Sydney Fishmarket. Da es bei den Macintyres (so heisst die Family) Tradition ist, am Good Friday (Karfreitag) Fish Pie zu essen, hat Hamish erstmal für knapp 250 Dollar Fisch gekauft.
Nach weiteren Stationen in Sydney, bei denen Hamish geschäftliche Erledigungen machte landeten wir endlich bei der Kings Privatschule. Eine Internatsschule für Jungs, die ein schweine Geld kostet. Dort holten wir Peter ab, eines der beiden Kinder, die auf diese Schule gehen.

3 Stunden später, mittlerweile war es abends, erreichten wir das gigantische Grundstück der Familie. Dort lernte ich auch die Mutter, Philippa, kennen. Und natürlich auch die restlichen Familienmitglieder, David (13), Angus (11) und die Zwillinge (Richard und Georgina (9)) kennen. Nach einem kurzen Abendessen wurde mir dann mein Heim gezeigt. Ein eigenes Haus, was ich mir mit Anika teile, eine Deutsche Pferdeflüsterin, die seit 3 Jahren hier ist. Heisst: ich hab mein eigenes sauberes Zimmer, eine Wohnstube mit großem Flat Screen TV, Küche und Bad.
Am folgenden Donnerstag half ich Philippa beim Frühstück und brachte dann mit einem Toyota Landcruiser die Kids zur Schule.

Die nächsten Stunden und Tage wurden dann richtig stressig. Die Familie kam nämlich auf die äußerst schlaue Idee in ihr neues altes Haus, was die letzten 1,5 Jahre  für 3 Millionen Dollar renoviert wurde am Donnerstag vor Ostern einzuziehen. Also haben wir Betten und Klamotten geschleppt, geputzt, getragen, ge- was weiß ich noch alles. Nachdem die Bauarbeiter, die am Donnerstag immer noch rumwuselten, abgezogen waren, kam dann die ganze Sippschaft der Familie. Letztlich waren über das Osterfest ungefähr 30 Leute in dem Haus, davon wahrscheinlich 20 Kinder und 10 Hunde. Man stelle sich einfach den Anfang von „Kevin allein zu Haus“ vor und weiß, was abgegangen ist.
Erträglich war es trotzdem, das neue Haus ist riesig. Es hat einen extra Fernsehraum, ein Gaming Room (Billiard, Poker, Tischfußball etc.) und alle mäglichen Spielkonsolen.

Mein Ostern verbrachte ich also in einer vällig neuen Familie, was mir hin und wieder schon irgendwie unangenehm war. Zumal alle eine Sprache sprechen, der ich nicht wirklich mächtig bin.
Eines ist Fakt: Ich habe noch nie in meinem Leben soviel Geschirrspüler ein und ausgeräumt, abgewaschen, Essen zubereitet und serviert wie an diesem Osterwochenende. Denn bei diesen Leuten dreht sich alles ums Essen: Breakfast, Morning Tea, Lunch, Afternoon Tean, Dinner, zweites Dinner. Dazwischen gibt`s Bier, massig Wein und Gin. Mit dem Alkoholkonsum wird mittags angefangen, bleibt aber kontinuierlich und artet gen Abend nicht aus. Allesamt gehen zeitig ins Bett. Spätestens um 23 Uhr ist überall das Licht aus. Dementsprechend zeitig stehen sie auf. Und erwarten das auch von mir. Zeitig aufstehen muss ich auch, denn hier gibt es entgegen dem, was im Jobangebot stand, sau viel zu tun. Ich wasche jede Tag ca. 4-5 Maschinen Wäsche, hänge sie auf und wieder ab, fahre die Kids irgendwo hin, hole sie wieder ab, bringe, kaufe, hole Sachen. Es ist viel. Sehr viel. Aber es ist ok. Ich spreche viel englisch, kann alles essen und trinken was da ist, habe keine Kosten. Und ich hab Glück, denn so wie hier, ist es in dieser Gegend selten.
Nadine, ebenfalls deutsch, wohnt auf der Farm von Hamishs Bruder. Dort gibt es weder Handyempfang noch Internet. Dafür dreckige Behausung, zich eklige Tiere, vor allem im Haus, und schlechte Mäglichkeiten in die Stadt Dorf zu kommen.
Ich habe (schlechten) Handyempfang und empfange sogar Wlan Signal in meinem Haus. Die Mutter, die ihr Office direkt nebenan hat, betreibt dort einen Router mit Internetanschluss. Zudem kann ich eigentlich immer in die Stadt, auf dem Grundstück stehen 5 Autos, wovon man sich immer eins nehmen kann.

Scone, die Pferdehauptstadt Australiens ist winzig. 4000 Einwohner, 3 Pubs (unglaublich schlecht), zwei Kaufhallen und eine WestPac Filiale (Bank). Jeder kennt jeden, und auch ich durfte am ersten Abend im Pub gleich zwei Beziehungstragädien miterleben.
So klein und so unbedeutend Scone auch sein mag, DEUTSCHE gibt es hier wiedermal zu Hauf. Mittlerweile glaube ich, dass es kein Fleck in Australien gibt, wo man nicht auf Deutsche trifft. Es ist aussichtslos. Aber schän ist es trotzdem. Und englisch spreche ich hier trotz dessen viel.

By the way: Um Chris` Fangemeinde auf dem Laufenden zu halten: Er ist nach Brisbane geflogen und dann weiter nach Grafton und macht jetzt Fruitpicking. Er überbrückt damit die Zeit, bis sein Nanny Job losgeht. Chris ist rund 1000 km entfernt von mir.

So, I gotta go right now, die Kids sind gerade vom Pony Camp zurück und haben mir bestimmt 2 Tonnen Dreckwäsche mitgebracht ;-).

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