Proper Country

Wir sind zurück in Deutschland, Phil, Carsten und ich sind wieder im deutschen kalten Alltag angelangt. Sven war schon am Donnerstag mittag geflogen, er musste wegen Arbeit schon eher zurück. Gott sei Dank konnte er an dem Mittwoch noch unseren Trip nach Hebron mitmachen, die Stadt, die erst heute wieder in den Medien war:

Für uns kam, ich mag das ja, wieder alles anders als eigentlich geplant. Aus unseren Roof Top Parties am Donnerstag Abend ist nichts geworden. Obwohl ich meinen Lonely Planet (Reiseführer) ganz neu gekauft hatte, war er wohl auflagentechnisch schon im wahrsten Sinne in die Jahre gekommen, eine im Buch gelobt- und beschriebene Lokalität existierte schon zwei Jahre nicht mehr. Kein Wunder, dass uns sämtliche Leute die wir ansprachen um uns den Weg dorthin zu weisen,  etwas ungläubig anguckten. Auch die zweite Roof Top Party war einfach nicht zu finden (oder ebenfalls nicht mehr existent, also sind wir zusammen mit zwei an diesem Abend kennengelernten Israelis mit chilenischen Wurzeln in einen andern Club gegangen. Der war kostenlos, riesen groß, ziemlich voll – und irgendwie langweilig. Mittlerweile, nach dem wir etwas ziellos, aber mit sehr viel Spaß durch weitere, teils recht zwielichtige (Apollo Club) Läden gestapft sind, war es gegen 4 und unserer derzeitigen Ansicht nach eine super Idee jetzt baden zu gehen. Also sind wir per Mietrad die ewig lange Ben Yehuda St. hoch zu uns gefahren, haben noch ein wilden Mix aus Schweppes Russian, Diet 7 Up, Eiswürfel und Wodka zusammengekippt und sind zum Strand stolziert. Im Wasser haben wir so lange rumgealbert bis die Sonne aufging und der Strand auf einmal von hunderten Leuten belagert wurde. An diesem Morgen sollte eine Schwimmtour nach Jaffa (immerhin knapp 5 km) starten, an der wir keinesfalls teilnehmen wollten.
Also sind wir gegen viertel 8 dann doch langsam Richtung Wohnung, einen Israeli im Gepäck, und haben uns ins Bett (nichts schlimmes denken, getrennt) gemacht.

Entsprechend der langen Nacht haben wir lange geschlafen und sind an unserem letzten vollen Tag nicht nach Haifa gefahren (das las sich irgendwie langweilig, da gibt`s nur einen Garten, in den nur 60 Leute pro Tag dürfen), Stattdessen wollten wir endlich mal an einem anderen als dem Hilton Beach die Sonne auf unserer Haut brutzeln lassen. Also sind wir per Bike nach Jaffa gefahren. Der Strand dort hat zwei Vorteile: Erstens gibt es keine unnatürlichen Steinbarrieren vor der Küste, die Wellen sind höher, zweitens hat man einen tollen Ausblick zur linken nach Jaffa, zur rechten auf die Strandpromenade und Wolkenkratzerhotels von Tel Aviv. Kurz bevor die Sonne unterging, spazierten wir nochmal in die Altstadt von Jaffa und schlenderten anschließend am alten Hafen der Ursprungsstadt entlang. Dort reihen sich Kunstgalerien in alten Hafenhallen an stylische Restaurants mit Blick auf die Kähne. Die Restaurants sahen so einladen aus, dass wir unsere Pläne, ein Resteessen zu Hause zu veranstalten, kurzerhand verwarfen und im Container (einem toll beleuchteten Restaurant mit witziger Karte) einfielen. Nach dem ganz leckeren Essen, bei dem man guten Willen brauchte um satt zu werden, haben wir uns die wahrscheinlich gar nicht so zahlreich zugeführten Kalorien auf einem Ride Richtung Bude wieder abgestrampelt. Die Nacht verbrachten wir mit einer letzten Feierei in einem riesigen Club, in dem wir vor ner Woche schon mal waren.

Sensationell wurde unsere Heimfahrt mit dem Fahrrad, denn ES REGNETE. Gut, nennen wir es warmer Niesel bei 25 Grad früh um 5, aber, es regnete. Leicht feucht kamen wir an, gingen fix ins Bett um unseren letzten halben Tag oder gar den Flieger zurück nicht zu verpassen. Nach dem letzten Frühstück in Tel Aviv machten sich Phil und Carsten zum Strand um das letzte bisschen warme Sonne für dieses Jahr abzugreifen. Das wollte ich auch, vorher aber musste ich noch den Alten Hafen Tel Avivs sehen, der nur 4 Blocks nördlich unserer Herberge lag. Dort bin ich hingeradelt und hatte es schwer eine Station zur Rückgabe des Bikes zu finden. Es gelang mir dennoch und ich konnte zu Fuß die große Hafenanlage erlaufen. Dort ist alles – im Gegensatz zum Hafen in Jaffa – komplett neu oder saniert. Viele Häuser mit endlos vielen Outlet Stores, ein Paradies für jedes Shopping Herz. Die großzügige Promenade beherbergte Cafés, unglaublich viele Restaurants und einen gigantischen Spielplatz. Dort war es sehr schön und ich freute mich, noch dort gewesen zu sein. Was es dort leider nicht gab war ein Geldautomat, also musste ich noch ne ganze Ecke fahren um mich wieder in flüssigen Zustand zu versetzen. Ziemlich flüssig, sowohl im Portmonaie, als auch auf der Haut erreichte ich nun auch den Strand, ging baden, kämpfte mit Carsten um jede Minute am Strand und ging mit den Jungs um 15:15 Uhr schließlich nach Hause. Dort packten wir zusammen, machten sauber, wuschen ab, machten Sandwiches für den Flug und checkten schließlich aus.

Strom mussten wir nach Verbrauch bezahlen. Als die nette Vermieterin 60 Euro für zwei Wochen haben wollte, staunten wir nicht schlecht. Wie ich jetzt von ihr weiß, hatte sie sich verrechnet, 19 Euro bekommen wir jetzt per Post zurück. Schweren Herzens verließen wir unsere 2 Wochen Heimat und stiegen um 17 Uhr in ein Taxi Richtung Ben Gurion International Airport. Anders kommt man an einem Samstag dort nicht hin. Züge und Busse fahren am Sabbat leider nicht. Aber mit 160 Schekel (32 Euro) war die Fahrt erschwinglich. Am Flughafen ließen wir eine krankhafte Sicherheitsodyssee über uns ergehen, ließen uns von gleich mehreren Beamten fragen, wo wir in Israel waren, wo wir hin wollen, in welcher Beziehung wir zueinander stehen und welche Schlüppermarke wir tragen. Nein, das letzte ist natürlich quatsch, aber uns kam die Neugierde ähnlich absurd vor. Der Flieger startete pünktlich um 20:05 Uhr und wir verließen das gelobte Land. Der Beweis, dass wir dort waren, wird nun ein weiteres Mal mit Bildern erbracht:

23:30 Uhr landeten wir in Berlin, ehe wir unsere Koffer hatten, mit der S-Bahn nach Altglienicke gefahren sind und beim Auto waren, verging eine weitere Stunde. Dass es nun schon deutlich nach 0 Uhr war hielt uns nicht davon ab noch nach Halle zu einer Geburtstagsparty zu fahren. Phil lieferten wir vorher ab, dann kamen wir bei der schon endenden Party an. Noch ein interessanter Wortwechsel mit dem gerade 4 Monate in Südamerika gereisten Stefan und eine Gratulation fürs Geburtstagskind Hannes, und schon sind wir weiter nach Erfurt gedüst. Um 6 waren wir hier und sind totmüde ins Bett gefallen. Am Sonntag haben wir zugesehen, nicht nach draußen zu müssen, Deutschland hatte wieder mal “bestes Wetter”, mit einer Mischung aus dunkelgrauem Himmel, hässlichen Wind und ergiebigen Dauerregen für uns parat.

Der Alltag hat uns längst wieder ein, Arbeit, Pendelei und deutsches Fernsehen. Das hört sich aber negativer an als es ist, wir freuen uns, die viel frischere Luft in Deutschland atmen zu können, wohlbehalten wieder da, und um eine grandiose Zeit mit tollen Freunden, intensiven Eindrücken und wichtigen Erfahrungen reicher zu sein.

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