Von oben nach unten

2 Wochen haben wir nun fast ausschließlich in Städten verbracht. Ich hätte noch ewig in LA und San Francisco bleiben können, am liebsten hätte ich jeden Club gecheckt, hätte an jedem Strand gelegen und hätte jede Burgerbude – und davon gibt es zahllose – besucht, aber so lange 2,5 Monate auch sein mögen, sie reichen leider doch nur dafür, sich alles mehr oder weniger kurz anschauen zu können.

Also sind wir nun nach unserem Reisetag durch`s Silicon Valley und einer entspannten Nacht im Vagabond Inn in Merced in die Natur aufgebrochen. Als erstes war der Yosemite Nationalpark dran. Der wird übrigens nicht “Josmeit” sondern “Josemedi” ausgesprochen. Bei der Frage nach dem Weg zu dem Nationalpark mit Hilfe ersterer Aussprache haben wir uns natürlich direkt als blöde Touris geoutet. Trotzdem haben wir es dorthin geschafft und haben gleich mit einem ordentlichen Programm losgelegt. Erst haben wir sämtliche Aussichspunkte angefahren, die man per Auto erreichen kann, dann haben wir uns nach nem kurzen Besuch im Visitor Center in den kostenlosen Shuttle Bus gesetzt, der uns direkt zum Ausgangspunkt der ersten Wanderung brachte. Zuerst ging es noch ganz harmlos über einen geteerten Weg nach oben, dann wurde es immer steiler, kälter, felsiger und faszinierender. Wir stiegen schmale Pfade durch dichte Wälder, entlang reißender Flüsse und kleinerer Wasserfälle bis zum ersten Ziel, der Abfallkante der Vernal Falls. Der Anblick dieses Wasserfalls war wirklich atemberaubend. Wassermassen rasen tosend auf Granitgestein hinab, bilden einen Regenbogen und lassen einen auch gern mal nass werden, wenn man den Weg Richtung Abfallkante läuft. Noch etwas höher war der Nevada Fall, ähnlich spektakulär.

Nach 5 Stunden anstrengernder Wanderung und etwas Angst, dass wir den letzten Shuttle verpasst haben könnten (es war schon 19:20) kamen wir im Tal an und wurden per Shuttle zu unserem Auto zurück gebracht. Eine Übernachtungsmöglichkeit hatten wir zu der Zeit leider noch nicht, hatten aber auf dem Hinweg aus dem Augenwinkel ein Hostel am Straßenrand, ca. 40 km vor dem Parkeingang gesehen. Dorthin haben wir sogar zurück gefunden und haben für 28 Doller pro Nacht und Person eingecheckt. Das Zimmer war einfach, aber gemütlich, die Duschen zu einfach, aus Beton, draußen und eher ungemütlich. Trotzdem blieben wir in dem Hostel 2 Nächte, wir hatten das 4 Bett Zimmer für uns, dass Internet war schnell, ich konnte sogar die “Heute Show” und ein bisschen DSDS per Lifestream gucken. Am nächsten Tag haben wir eine weitere Wanderung unternommen, die war nicht ganz so schön. Am frühen Abend, zum Sonnenuntergang haben wir es zum Mirror Lake geschafft, dort spiegelt sich der Half Dome, ein felsiger Berg, der wie abgeschnitten wirkt.
Ich muss gleich sagen, dass sich die Schönheit dieses Nationalparks nur schwer mit Bildern beschreiben lässt und die Gewaltigkeit der Wasserfälle, die den Park so besonders machen durch Bilder schwer einzufangen lassen, ich versuch`s trotzdem:

Am Mittwoch morgen haben wir gegen 11 aus dem Yosemite Bug, dem Hostel, ausgecheckt und sind Richtung Sequoia Nationalpark gefahren. Unsere Taktik war die gleiche, wie schon oft bevor. Einfach zum nächstem Punkt fahren und an ein paar Motels auf dem Weg kurz vor dem Ziel anhalten und fragen, was es denn kostet. Vorher kann man das schlecht machen, erstens findet man die guten Motels nur schlecht im Netz, zweitens muss man bei Reservierung immer sofort zahlen – mit Kreditkarte. Unangenehm, denn bei jeder Transaktion zahle ich 2 % Währungskonvertierungsgebühr (oder so).

Diesmal haben wir bei einem Bed & Breakfast angehalten. Die sind, so wie auch dieses, recht teuer. Die Besitzerin Marie führte uns, ohne uns nach dem Preis fragen zu lassen, durch das ganze Haus. Alles war vom Feinsten, man hatte regelrecht Angst den edlen Teppich mit seinen Straßenschuhen zu betreten. Wir wurden in das potentielle Zimmer geführt. Dort war alles ähnlich edel wie im Rest das Hauses. Ein echter Kamin, ein gigantisches Bett, alles mit viel Detailverliebtheit eingerichtet (wenn auch nicht ganz nach meinem Geschmack). Dann ging es in den Garten, der wie das Paradies auf Erden wirkte. Strahlend grüner Rasen, ein einladender Swimming Pool und ein Jacouzzi, also einem heißen Whirlpool.

Dann nannte sie den Preis: 179 Doller + Tax pro Zimmer und Nacht. Im gleichen Atemzug teilte sie uns freudestrahlend mit, dass es das Zimmer zur Hälfte des Preises gäbe, also nur 90 Dollar kosten würde. Immernoch zu teuer für uns armes Studentenpack (hmm…ich bezeichne mich jetzt einfach mal noch so). Als Sinah ankündigte unsere Suche nach etwas Günstigerem fortzusetzen, lengte Marie ein und bot uns das Zimmer für 60 Dollar an, inkl. Frühstück. Sofort willigten wir ein.

Nachdem Check-Inn fuhren wir weiter in den Sequoia Nationalpark um dort die größten Bäume (Volumen und Gewicht) der Welt zu begutachten. Das Wetter war schrecklich neblich, dunkel und eiskalt (-3 Grad), die Bäume, die Sequoias dafür umso beeindruckender. Diese Bäume sind tausende Jahre alt und vermögen viele Geschichten zu erzählen. Die sind auch wirklich interessant, würden hier aber den Rahmen aber sprengen. Wikipedia hilft bei Interesse weiter ;-).

Abends im B+B haben wir`s uns dann richtig gut gehen lassen. Im Fernsehen kam “16 and pregnant” auf MTV, danach noch CSI auf CBS – sehr unterhaltsam. Nachts haben wir uns dann entblöst und sind in den bunt beleuchteten Whirlpool gegangen. Eine unwirkliche Situation. Es war fast Vollmond, er strahlte auf uns hinab, vor ihm eine gewaltige Palme unter der wir im Pool saßen und über eine Stunde genossen und uns unterhielten. Großartig, luxeriös, fantastisch.

Der nächste Morgen begann mit dem von Marie höchstpersönlich zubereiteten Frühstück. Dort unterhielten wir uns noch mit ein paar Amerikanern, die uns noch wertvolle Tipps für Vegas und den Grand Canyon gaben. Nun mussten wir leider schon auschecken und wieder Richtung Sequoia fahren, wo diesmal etwas besseres aber immernoch so kaltes Wetter war. Trotzdem haben eine Miniwanderung gamacht und ein paar schöne Bilder geschossen:

Nach eine halben Ewigkeit der Warterei an einer Baustelle mitten im Nationalpark sind wir viel zu spät Richtung Death Valley aufgebrochen. Das war eine gigantische Tour. Da sowohl der Kings Canyon als auch der Sequoia Nationalpark hochgebirgige Massive sind, mussten wir einen großen Bogen darum fahren, Luftlinie wäre es ein Fünftel der Strecke gewesen. Auf der Fahrt sind wir durch Wiesenlandschaften gefahren, vorbei an vielen kleinen Ortschaften, mal durch flaches Land, dann wieder durch hügelige Serpentinen. Je später es wurde, desto trockener Wurde die Gegend, die Bäume wurden kleiner, die Wiesen brauner, letztlich fuhren wir auf endlosen Highways die über unzählige Kilometer nicht eine Kurve haben weiter Richtung Death Valley Nationalpark.
Vor allem nachts wurde es immer gespenstischer, es war extrem stürmisch, wir waren allein auf weiter Flur und die Strecke wollte kein Ende nehmen. Neben uns erahnten wir riesige Felsmassive, die diese trockene Steinwüste prägen. Nach 2 Stopps an potentiellen Unterkünften, die leider gänzlich ausgebucht, eine aber wenigstens gut genug war, uns einen überteuerten Angus Burger mit Pommes zu verkaufen,  erreichten wir endlich Beatty, ein kleines Kasinokaff in dem es Gott sei Dank einige Motels gab. Wir haben ein Zimmer in einem Rauchermotel bekommen, meist sind die Raucherzimmer die letzten, die noch frei sind. Es roch aber ok und wir hatten eine entspannte Nacht.

Am nächsten morgen sind wir nach einem fettigen Frühstück (man findet in der Einöde einfach nichts anderes als vor Fett triefenden Amifraß) in den Death Valley Nationalpark gefahren. Dort haben wir den ganzen Tag verbracht und haben diese atemberaubende, gigantische Naturformation in all seinen Facetten auf uns wirken lassen. Auch hier haben wir unsere Cam bemüht:

Den Sonnenuntergang über den Bergmassiven des Death Valley hinter uns, fuhren wir mit passender Musik aus dem ans Autoradio angeschlossenen Handy Richtung Las Vegas, unserem Zwischenstopp auf der mit knapp 750 km langen Strecke zum Grand Canyon.Von Las Vegas haben schon jetzt gelernt, dass es jede Erwartung übertrifft, dazu dann aber mehr im nächsten Eintrag. Nach einer Nacht im wohl schäbigsten Motel, das alle Cliches eines schlechten 80er Jahre Films erfüllt (inklusiver mehrer Pornokanäle auf einem alten Fernsher in dem vergilbtem Raucherzimmer) sind wir Richtung Grand Canyon aufbebrochen. Der Interstate 40 und der Route 66 entlang sind wir nun in Tusayan, einem kleinen Nest mit vielen Hotels kurz vor dem EIngang zum Grand Canyon Nationalpark, angekommen. Hier haben wir das wohl schönste kleine Motel bisher gefunden.

Knapp 4 Stunden habe ich jetzt damit zugebracht diesen Eintrag samt Bildern zu erstellen und falle jetzt mit großer Vorfreude auf den Canyon ins Bett. Ich hoffe, das war nicht zu viel Input, Meinungen gern in die Kommentare. Und nun: Frohe Ostern und gute Nacht.

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