World Pride New York City

Es war einmal, vor langer Zeit (also, wenn man ein halbes Jahr ne lange Zeit nennen kann) in Thailand, da kam ein Jüngling (Carsten) daher, und meinte, dass sich im nächsten Jahr (2019) der CSD (Christoper Street Day) in NYC (New York City) zum 50sten Mal jähren würde und es doch ziemlich lit (Jugendwort) wäre, dort hin zu fliegen. In einem Satz ohne Klammern (;-)) drückte ich meine Begeisterung aus und suchte direkt nach Hotels. Sehr erstaunt war ich, also ich ein „Hotel“ fand, dass nur 360 Euro von uns für 5 Nächte in einer der teuersten Städte der Welt haben wollte – noch dazu ganz ohne Stornogebühren, falls man sich doch noch entscheidet, alles abzublasen. Also hab ich das Hotel kurzerhand gebucht und voller Vorfreude konnten wir unseren Urlaub in Thailand fortsetzen.

Eine Weihnachtsperiode, ein Jahreswechsel und ein Carsten Geburtstag später, fing ich an die Flugpreise nach New York zu checken, schließlich hatten wir die Flüge noch nicht gebucht und wollten natürlich den besten aller jemals dagewesenen Flugpreisdeals ergattern. Ich las, man solle so 11 Wochen vor Abflug buchen. Aller zwei Tagen schmiss ich den Skyscanner an war fasziniert davon, wie stark die Preise schwankten. Von 325 bis 3000 € für Hin-Und Rückflug war alles dabei. Ernüchternd war, dass bei fast keiner Airline das Gepäck inklusive war und man auf die Preise noch ganz locker 100 Euro pro Person drauf schlagen konnte. Jedenfalls habe ich bis Ostern gewartet mit dem Buchen der Flüge um dann fast panisch zu werden, weil die Preise immer weiter stiegen, meine Ansprüche aber nicht in Korrelation dazu abnahmen. Schlussendlich sanken die Preise nach Ostern zum Glück wieder etwas und ich schlug bei einem Air Europa Flug zu, der uns letztlich pro Person 485 Euro kostete – inklusive Gepäck – exklusive Entertainment System wie sich später heraus stellte. Gebucht haben wir vom 27. Juni bis 2. Juli – ziemlich doof, wie Carsten leider erst 2 Tage nach Buchung einfiel, schließlich ist am 4. Juli Independence Day in den USA, den hätte man eigentlich noch mitnehmen können.

Gar nicht doof fanden wir, dass ein Freund eines Freundes, der aus den USA kommt und zu Besuch in Erfurt war uns anbot, 4 der 5 Nächte mit in seinem AirBnB zu nächtigen. Mit eigenem Bad, natürlich eigenem Zimmer und vor allem völlig for free. Das nahmen wir an, stornierten unser Zimmer in der YMCA, was kein eigenes Bad gehabt hätte und buchten ein Hotel gleich beim Time Square in Manhatten – für 150 Dollar.

Alles gebucht freuten wir uns unendlich auf unseren Trip nach New York. Klossi, ein guter Freund, der im Abflugort Frankfurt wohnt, erlaubte uns die Nacht vor dem Flug bei sich und seiner kleinen Family zu verbringen, also fuhren wir schon am 26. Juni im ICE nach Frankfurt, wurden dort super nett empfangen – nahmen noch `nen Whiskey und gingen ins Bett. Am nächsten Morgen quatschten wir noch ein wenig mit Klossis Frau und marschierten dann mit Sack und Pack zur S-Bahn die uns super schnell zum Flughafen brachte. Dort angekommen bezirzten wir die Check In Angestellte, die uns für den zweiten Flug Plätze am Fenster klar machte – so flogen wir also in ner kleinen Boing früh um 10:50 Uhr nach Madrid und nach ewigem Latschen im dortigen Flughafen (ich hasse ihn) weiter mit nem Airbus  nach New York. Wir staunten nicht schlecht, dass es bei einem Langstreckenflieger im Jahr 2019 kein Entertainment System gab, man nur im On Bord W-Lan auf eine Seite zugreifen und dann dort im Browser theoretisch eine kleine Auswahl an Filmen hätte gucken können. Theoretisch, denn es ging natürlich nicht weil der Player auf deren Seite auf Flash beruhte, ne hornalte Technik, die moderne Handys nicht mehr unterstützen. Also mussten wir uns wohl oder übel unterhalten, essen und aus dem Fenster gucken. Die 7 Stunden Flug vergingen trotzdem wie im…..ach nee, komm, den bring ich jetzt nicht… Wir waren 17:20 Ortszeit da und ich ließ mich direkt am Flughafen abzocken. Mit Kreditarte wollten wir uns am Automaten eine Metro Karte holen, aus unerfindlichen Gründen wollte der Automat nicht wie wir. Also ich ging ich zum nächstbesten ATM und wollte Cash holen. Bei der Entscheidung „Conversation“ oder „no conversation“ nahm ich Ersteres. Bedeutet, dass nicht etwa meine Bank laut aktuellem Kurs umrechnet und in Dollar auszahlt, sondern diese Aufgabe der Bertreiber des Automaten macht – das hat mich 25 Euro gekostet. Was soll`s, ist ja Urlaub, was kostet die Welt, ich hatte trotzdem 200 Dollar in der Hand und wir konnten unsere Karten am Schalter holen und dann ne Stunde und 20 Minuten mit Air Train und Subway ins Hotel nach Manhattan fahren. Das Hotelzimmer war klein aber gut eingerichtet, wir haben nur schnell abgeschmissen, denn mittlerweile war es halb 9 und wir wollten natürlich direkt zum Time Square. Also sind wir los marschiert und haben in 10 Minute Fußweg besagten Platz gefunden. Auf mich hat er etwas kleiner als in den vielen Filmen, in denen er vorkommt, gewirkt, natürlich trotzdem sehr beeindruckend, wie riesig die Leuchttafeln den Davorstehenden mit Werbebotschaften bombardieren. Das haben wir eine Weile auf uns wirken lassen und sind dann am Broadway entlang geschlendert, verwundert, dass alles eigentlich gar nicht so busy ist, wie man es sich vorstellt. Klar war es voll, überall Regenbogenfahnen, gut gelaunte Menschen, viel Verkehr, aber eben nicht so großes Chaos, was ich erwartet hatte. Die Yellow Caps und alle anderen Verkehrsteilnehmer waren gechillt unterwegs, keine Hektik, sehr angenehm. An diesem Abend hat uns Carsten durch die Straßen navigiert, vorbei an Madame Tussauds, wo uns direkt eine lebensgroße RuPaul angelacht hat, über den Madisson Square Garden zum Rockefeller Center an dem wir uns vorstellten, wie Kevin ganz allein in New York vorm Weihnachtsbaum steht und auf Mutti wartet. Dann sind wir weiter an der St. Patricks Cathedral auf der 5th Avenue zum Trump Tower, dann zum Plaza Hotel gegenüber des Central Parks, den wir dann am nächsten Tag checken wollten.

Nach dem ersten Sightseeing sind wir dann erstmal in eine CVS, in den USA so ne Mischung aus Apotheke und Kaufhalle, 24 Stunden offen, vernünftige Preise – auch für Bier, was man zwar kaufen, aber eigentlich nirgends öffentlich trinken kann. Glücklicherweise gibt’s direkt am Time Square eine abgezäunte Area, wo man nen Weinchen schlürfen und offensichtlich auch selbst gekauftes Bier trinken darf, wir haben es zumindest gemacht, vorbeilaufende Cops hat das auch nicht interessiert.

Nach der ersten Runde Sightseeing sind wir dann ins Hotel geschnippt um unseren 24 Stunden-Wach-Tag zu beenden. Klar haben wir schon bis dahin einige hübsche (so hoffe ich zumindest) Bildchen gemacht, von denen ich jetzt eine Auswahl präsentiere J

Wir haben super geschlafen im Doubletree by Hilton West Time Square und haben am Morgen gleich ausgecheckt, unsere Sachen dort noch gebunkert und sind in ein nahe gelegenes Diner zum Frühstück gegangen. Selbiges wurde auf einer New York Seite empfohlen – zu Recht. Für 13 Dollar bekam man einen guten Kaffee + Saft und in meinem Fall einen Frischkäse Lachs Bagel. Für Carsten gab`s – ganz amerikanisch, Pancakes mit Honig. Da wir nicht viel Zeit in New York hatten, ging es direkt weiter mit den ganzen Must Sees in dieser Weltstadt. Auf dem Programm: Empire State- und  Chrysler Building, Grand Central Station und schließlich der Central Park, der ja, wie aufmerksame New York Kenner wissen, nicht der kleinste Park der Welt ist. Kurz überlegten wir, ob wir ein Bike mieten, haben das dann aber doch gelassen und per pedes die grüne Lunge New Yorks beschritten! Ich war total positiv vom Central Park überrascht. Dort finden sich ausgedehnte Wiesen, aber auch fast gebirgige Wälder durch die sich unzählige kleine und große Wege schlängeln. Fun Fact: Man darf nur auf ausgewiesenen breiten Straßen Radfahren, nicht aber über kleinere Wege im Park – insofern war es gut, dass wir aufs Bike verzichtet haben. Stattdessen haben wir den kompletten Park durchquert, von Süd nach Nord, durch die Mitte und zur Hälfte auch wieder zurück. Irgendwann hat sich Carsten aber doch beschwert ob des langen Weges, wir waren zu der Zeit immerhin schon 17 km gelaufen. Also versuchten wir einen Biergarten zu finden um wenigstens eine Pause einzulegen. Leider kein einfaches Unterfangen, draußen Bier trinken, damit haben die Amis es nicht so. Also sind wir in ne Metro geklettert und haben die Innenstadt angefahren, wo wir schlussendlich eine Rooftop Bar gefunden und sie zum Cocktailtrinken genutzt haben. Fun Fact 2: Bier kostet fast überall 8 Dollar für ein 0,33er, im Vergleich dazu sind Cocktails mit 11 bis 15 $ fast günstig.

Die alkoholische Erfrischung intus (ja wir hatten tagsüber auch genug Wasser), ging`s mit Sack und Pack nach Brooklyn, zum AirBnB von Sammy, der uns dort kostenlos wohnen ließ. Obwohl wir uns für 20 Uhr dort verabredet hatten und wir schon 40 Minuten später dort waren, mussten wir warten, aber nur 10 Minuten. Die Freude war umso größer, als wir die Hütte von innen sahen. Alles vom Feinsten, koffeinfreie Kaffeebohnen im Vollautomat, ein gemütliches Zimmer, Balkon, Wohnzimmer, Küche mit nem vollen Kühlschrank – ja hier wohnt wirklich jemand, es ist nicht nur eine Geld-verdien-AirBnB-Wohnung.

So schön die Wohnung, so hässlich war Christian, ein Kumpel von Sammy aus Kanada, den er bis dato nur online kannte und auch eingeladen hat mit im Appartement zu wohnen. Wer mir jetzt Oberflächlichkeit vorwerfen möchte, den kann ich gleich bremsen, vom Aussehen her war Christian voll ok bis tendenziell langweilig, seine Unattraktivität äußerte sich ausschließlich durch sein Verhalten. Er war einfach unhöflich, unfassbar von sich selbst überzeugt, hat sich null Mühe gegeben so englisch zu sprechen, dass man ihn hätte verstehen können, und hat sich über unseren Akzent auf äußerst unangenehme Weise lustig gemacht. Man stelle sich Arroganz vor, multipliziere diese schwammige Größe mit 1000 und hat dann ein Bild von diesem Schnösel vor Augen.

Das schöne: So arrogant er ist, so blöd ist er auch. Ich habe ihn gefragt, was er so von Justin hält, er meinte, er mag seine Musik so lala, und hübsch ist er doch auch nicht. Als ich ihn aufklärte, dass ich eigentlich den kanadischen Prime Minister Justin Trudeau meinte, sagt er nur, dass er den nicht möge, er würde doch die ganzen Migranten besser behandeln als die Kanadier, und auch so, der ist doch irgendwie doof – kein Kanadier mag den. Muss ich mehr sagen? Ok ich sag mehr: Er hat ohne zu fragen unsere Chips aufgemacht und sich am Wodka bedient. So, reicht. Ein Kurzes Dinner und ne Dusche reichten um uns nach den mittlerweile 20 km Marsch wieder fit zu machen. Alle zusammen fuhren wir nach Manhattan (wir hatten bereits eine Wochenkarte für die Metro für 32 Dollar gekauft) und versuchten in einen Club zu kommen. Damit wären wir beim größten Problem im Nachtleben New Yorks! WARTEN! Immer! Überall! Ewig. Die Schlange vor der Industrie Bar war derart lang, dass wir ins Therapy gegangen sind. Dort mussten wir nur 30 Minuten anstehen um dort drin eine unfassbare Menge an Menschen und eine noch viel unfassbarere Temperatur ertragen zu müssen. Also ich hab keinen Spaß gehabt, dort konnte man kaum atmen, keine Klimaanlage, nicht mal ein einziger Ventilator, dagegen war die Palette in Halle (Club) zu ihren besten Zeiten der reinste Eisschrank! Gegen 2 sind wir wieder heimgefahren, gut so, ich hatte genug und am nächsten Tag hatten wir ja wieder viel vor.

Ohne Frühstück sind wir los, haben Wasser gekauft und die U-Bahn bestiegen, diesmal aber nur für ein paar Stationen, denn wir wollten vor der Brooklyn Bridge aussteigen um über sie zu stolzieren. Das war für mich ein ganz besonderer Moment des Glücks. Es war dermaßen schön, das Wetter perfekt, die Sicht auf die Skyline perfekter, meine Stimmung am perfektesten. Ja liebe Deutschlehrer, „perfekt“ ist nicht steigerbar, trotzdem weiß jetzt jeder, dass ich es WIRKLICH grandios fand, mir lief fast ein Tränchen runter, dass ich das erleben durfte. Weiter ging es dann, aber nur ganz kurz wegen Uninteressantigkeit, nach China Town, von dort aus weiter in den Financial District.

Durch die Häuserschluchten zur Wall Street und zur New York Stock Exchange zu laufen, war ein sehr erhabenes Gefühl – toll. Etwas trauriger wurde es danach – wir waren beim One World Trade Center und vor allem am Ground Zero angekommen – wenn man dort steht und die Fernsehbilder vom 11. September und die riesigen, das Denkmal umrandenden Gedenktafeln mit den Namen der Opfer  vor Augen hat, ist das ganz schön beklemmend! Das Wetter passte übrigens zur Stimmung, es hatte sich zugezogen und windete arg, also flüchtet wir ins Oculus, einem edlem Shopping Center, was in einem beeindruckenden Gebäude haust, sonst aber nur irgendwelche Boutiquen und damit wenig Interessantes zu bieten hat. Dennoch reichte es, um einmal durch Eataly zu schlendern und dem Regen zu entkommen. Es hörte aber schnell auf und wir konnten unsere Tour fortsetzen. Eigentlich wollten wir schon an diesem Tag mit der kostenlosen Staten Island Fähre übersetzen und damit die Skyline und die Statue ansehen, da das Wetter aber eben nicht herrlich war, entschieden wir uns dafür, lieber in der Stadt zu bleiben, bzw. bei Zeiten zurück zu sein. So schlenderten wir am Pier entlang, quasi an der Südspitze Manhattans, sahen uns den Battery Park an und fuhren dann mit der Metro zurück nach Brooklyn. Dort angekommen kauften wir noch schnell was zu schnabulieren und staunten nicht schlecht, als Sammy ebenfalls schon reichlich Getränke gekauft hatte. Also begossen wir unsere Gläser mit einem Wiskey Cola und unsere Körper mit seifigem Duschwasser J.

Danach kam noch ein Kumpel von Sammy vorbei, der wesentlich netter als unser Mitbewohner war, wir hatten einen netten Abend erst zu Hause und dann in einem Uber, was uns zum Club in die Stadt brachte. Wir waren noch gar nicht ausgestiegen, da stellte Carsten fest, dass sein Handy weg ist. Doof – und der Party nicht so recht zuträglich. Angenehmerweise kann man ein iPhone orten, sofern ein anderes iPhone in der Nähe ist. Man loggt sich mit seiner Apple ID ein und sieht, wo das gesuchte Handy ist – sofern es an ist und Empfang hat. Beide Voraussetzungen waren erfüllt, leider waren wir zu blöd die Karte richtig zu lesen. Wir sahen einen Ortungspunkt, der sich bewegte und gingen davon aus, dass das Handy noch im Auto des Uber Fahrers ist. Erst 15 Minuten später verstanden wir die Karte und begriffen, dass dieser „Ortungspunkt“ wir selber waren und dass sich das Handy an genau der Stelle befand, an der auch unser AirBnB war. Diese Info erschien uns (ok, Carsten) nicht sicher genug und wir ließen die anderen alleine in der Warteschlange stehen und fuhren die ganze Strecke mit der Metro zurück. Siehe da, als wir ankamen, fanden wir das gute Stück an der Ladestrippe. Nun war es aber zu spät noch mal los zu fahren, man fährt halt auch jedes Mal ca. 40. Minuten in die Stadt. Also gingen wir ins Bett, machten noch einen Film an, von dem ich noch geschätzte 2,5 Sekunden mitbekam, bevor ich einschlief. Aber was soll`s, wir wollten am nächsten Tag ja eh fit sein, für die Pride, für DAS Event des Jahres. In diesem Jahr wurde in New York nicht nur den Aufständen der Homo- und Transsexuellen gedacht, die sich vor genau 50 Jahren in der Christopher Street vor dem Stone Wall Inn Straßenschlachten mit der Polizei lieferten um für ihre Rechte zu kämpfen, sondern auch die World Pride, die zum ersten Mal in den USA stattfand. 4 Millionen Menschen waren dort, wir mittendrin. Wie es war und ob sie die ganzen großen Erwartungen erfüllen konnte, das erzähle ich gleich, vorher ein paar schöne Eindrücke von unserem Tag auf der Brooklyn Bridge, in der Wall Street, am Ground Zero und dem Battery Park:

Der Morgen der Pride begann mit einem Tuna Melt Sandwich für mich und einem Käse-Schinken-Tomaten Sandwich mit Ei für Carsten – in einem kleinen Diner in Brooklyn. Das war leider nur so semi lecker, reichte aber als Grundlage in diesem recht nahrungsarmen Urlaub (irgendwie sind wir nie so richtig zum essen gekommen). Zusammen mit Sammy, aber ohne diesen arroganten Kanadier sind wir dann los in die Stadt, zum Endpunkt der Pride, an dem schon die ersten Fußtruppen mit lauten Gejohle und Gehupe ankamen. Das NYPD hatte die Motorrad Cops mit Regenbogenfähnchen auf die Tour geschickt, das Publikum machte richtig Stimmung. Allerdings, und das muss man dazu sagen, immer nur dann, wenn man ein Wagen kam. Oder eine Fußtruppe. Leider aber passierte das nicht allzu häufig, die Abstände zwischen den Demogruppen waren so groß, dass es zwischendrin regelrecht ruhig war. Wenn ein Auto kam, dann meist mit winzigen Boxen die völlig übersteuerten und die Musik sich eher wie Sounderbrochenes anhörte. Nach ner Weile musste Carsten aufs Klo – leider gab es keins. Fast nirgends! Keine öffentlichen Toiletten, jede Bar machte deutlich verständlich, dass Pride Besucher nicht gehen dürfen, irgendwie zwar verständlich, dennoch nervig. So irrten wir bestimmt eine Stunde durch die Stadt, sofern das möglich war. Denn alles war abgesperrt, überall musste man ewig warten, vor allem im Dunkin Donat Laden, wo wir endlich aufs Klo gehen konnten – wohl bemerkt nach ca. weiteren 50 Minuten anstehen. Echt anstrengend. Als wir diese Oddysee hinter uns hatten, stürzten wir uns wieder ins Getümmel. Noch immer waren die Abstände zu den Trucks riesig und so richtig kam daher keine Partystimmung auf. Auch die Botschaften auf den Transparenten waren wenig politisch, sehr artig, ich hätte an einem solchen historischen Ort, 50 Jahre nachdem genau hier alles begann einfach deutlich mehr erwartet. Natürlich war es dennoch ein lustiges Treiben, dem wir noch ne Weile beiwohnten, Zeit genug war, denn der Zug fand so gar kein Ende 12 Uhr begann er, bis kurz vor 13 Uhr fuhren die Wagen durch die Straßen Manhattens. Unser Versuch ins Stone Wll Inn zu kommen ist kläglich gescheitert, es war kein durch- und schon gar kein reinkommen. Wir haben uns dann abgeseilt, sind noch mal heim gefahren um uns fertig für die Nacht zu machen. Zurück in der City sind wir zu einer Party Location gefahren und haben uns artig angestellt. Nach einer Stunde warten und nur wengen Meters Fortschritt haben wir uns aus der Reihe verabschiedet und sind zusammen mit Sammy weiter in einen anderen Club namens Eagles weitergezogen. Die wollten nur 20 statt 60 Doller (in der ersten Location) haben, und dort sind wir auch rein gekommen. Auch dort war es whnsinnig voll, aber trotzdem war die Party ganz nice. Als der Club um vier Schluss machte, sind wir dann auch gegangen und nach Hause gefahren, Alles in allem war es ein Pride Tag, der zwar nett, aber keinesfalls besonders toll gewesen ist – trotz World Pride und 50 Jahre Stone Wall.

Am nächsten Tag sind wir wieder nach Manhattan gefahren, ich wollte unbedingt zu Papaya Dog, einer Hot Dog Kette die mir von vielen Freunden empfohlen wurde. Dort war es lecker und billig, und wir mussten mal ausnahmsweise nicht ewig warten. Auch die Fähre nach Staten Island konnten wir ohne Wartezeit besteigen und bei bestem Wetter übersetzen. Reizvoll ist hier nicht so sehr das Ziel sondern der Weg, man fährt vom Battery Park im Süden Manhattans zur Staten Island, einem Stadtbezirk New Yors, direkt vorbei an der Statue of Liberty,eit schn vorgenommen hatten: Ein Besuch im Stone Wall Inn. Die Stimmung dort drin war gelöst, es war für uns ein geanz besonderes Gefühl an diesem Ort ein Bierchen zu trinken, wie schon erwähnt ging hier vor 50 Jahren alles los. In dieser Bar faden damals dauernd Razzien statt, Polizeigewalt gegen Homo- und Transsexuelle. Mein toller Plan war, danach durch den High Line Park Richtung Norden zu schlendern und dann mit dem bereits gekauften Ticket für das Rockefeller Center selbiges zu besteigen um hoch oben den Sonnenuntergang über New York zu betrachten. Der High Line ist ein Park auf den (niedrigeren) Dächern von New York, auf einer ehemaligen Bahnstrecke. Das war sehr schön und wir waren anschließend auch pünktlich beim Rockefeller Center. Dort mussten wir feststellen, dass unser „Ticket“ nur ein Voucher war, den man erst für ein Ticket einlösen muss. Tickets für die Zeit des Sonnenuntergangs waren natürlich schon weg, weswegen wir etwas enttäuscht wieder abtraten und zum Hudsen River Park fuhren. Dort konnten wir noch den Rest des Sonnenuntergangs betrachten und dann wieder Richtung Stone Wall Inn fahren um im nahe gelegenen Pieces Club eine Drag Show, die Drag Wars zu besuchen. Nach zwei Stück 99 Cent Pizza haben wir dort drin sogar einen Platz bekommen, Sammy war mittlerweile dazu gekommen und wir zogen uns ganze 5 Stunden Drag Show rein. Das Warm Up war so lala, die Drag Wars, bei denen diverse Drag Queens gegeneinander antreten, war dann aber ziemlich grandios. Die Hostesse, Shequida, war unfassbar witzig, das war wirklich großartige Unterhaltung.

Ziemlich fertig sind wir heim, es war ein langer, toller Tag in New York – und der letzte komplette Tag, den wir hier hatten.

Der Abreisetag sollte für mich das absolute Highlight bereithalten. Eine Jet Ski Tour über den Hudson River, vorbei an Manhattan, um die Freiheitsstatue herum, unter der Brooklyn Bridge durch, bis zur Manhattan Bridge. Dazu mussten wir nach New Jersey fahren, mit dem Bus durch den Tunnel und noch nen Stück zu Fuß zum Pier. Carsten ist im Bus geblieben und etwas weiter rein nach New Jersey gefahren.
Voller Vorfreude kam ich am Pier an, wurde zusammen mit den anderen Teilnehmern der Tour empfangen und eingewiesen. Meine erste Frage war, ob das Jet Ski so ne Art kleinen Kofferraum hätte, schließlich wollte ich mein Handy mitnehmen um unterwegs ein paar Bilder schießen zu können. Man hätte auch ein „Foto Package“ dazu buchen können, für „günstige“ 50 $. Das wolltre ich mir bei einem Grundpreis für die Tour von 160 Euro dann doch sparen. Leider sagte mir der Tour Guide, dass das wegen versicherungstechnischen Gründen nicht ginge, also sind wir nach einer kurzen Einweisung ohne Handy los gefahren. Es war, wie auch meine anderen Jet Ski Touren der absolute Hammer. Ich kann nur schwer beschreiben, welche Glücksgefühle beim Fahren eines solchen Dings vor einer solchen Skyline  bei mir ausgelöst werden. Dafür gehe ich arbeiten, dafür lohnt es sich so viel Geld zu lassen, ich habe jeden Cent gern dafür ausgegeben. Wir rasten mit bis zu 80 km/h übers Wasser. Mit einer solchen Geschwindigkeit hebt man fast ab und springt über die Wellen, die gar nicht so niedrig waren. „Speed is your friend“ sagte der Tour Guide, und tatsächlich: Je langsamer man fährt, desto schwerer ist es das Jet Ski unter Kontrolle zu halten, einfach weil dich die Wellen dann mehr im Griff haben. Zwei Mädels, die zusammen auf einem Jet Ski fuhren haben sich den Spruch wirklich zu Herzen genommen und sind über den Hudson gefegt, dass einem beim zu sehen ganz anders wurde. Das Mädel, was hinten saß, flog einmal auch ziemlich spektakulär vom Jet Ski und musste wieder eingesammelt werden. Ich hatte riesigen Spaß und konnte bei der Tour die Freiheitsstatue ganz nah sehen, einen solchen Anblic bekommt man auch nicht alle Tage – es war absolut fantastisch. Nach einer Stunde war die Tour leider wieder vorbei und wir zurück am Pier. Der Guide hatte unterwegs 220 Bilder geschossen, natürlich vor allem für diejenigen, die ein Foto Package gebucht hatten, aber eben auch von mir. Dank der AirDrop Funktion des iPhones hat er kurzerhand einfach allen alle Bilder überspielt und so hatte ich direkt nach der Tour die komletten 220! Bilder von der Tour auf meinem Telefon.

Voller Glückseligkeit lief ich am Ufer entlang zu einer mit dem Festland verbundenen Insel, wo Carsten auf mich wartete. Von dort aus sind wir noch mal in die Stadt, haben einen Laden mit ziemlich bescheidenen Wraps gefunden, ein solches verspeist und dann zurück mitg dem Bus in die Stadt. Denn nun endlich wollten wir aufs Rockefeller Center. Wurde mir empfohlen. Die Besteigung einer der Wolkenkratzer gehört ja zum Pflichtprogramm eines New York Besuchs, die Frage ist nur, welchen man wählt. Sie kosten alle so um die 35 Euro, das Rockefeller ist zwar nicht das Höchste (das wäre das One World Trade Center gewesen), von dort aus konnte man aber gleichermaßen auf den Central Park und aufs Empuire State Building gucken, weswegen wir letztlich dort hoch sind. Schön ist, dass man dort wirklich auf dem Dach ist und einen wahnsinnigen Rundumblick hat. Wir haben ne ganze Weile dort oben verbracht, der Blick ist wirklich majestätisch. Ich wollte gar nicht wieder gehen, es war unser letztes Highlight, und ich konnte mich mal wieder nicht wirklich trennen. Irgendwann mussten wir eben doch wieder runter, schließlich mussten wir noch packen und pünktlich zum Flughafen kommen. Also sind wir ein letztes Mal mit der Metro zurück nach Brooklyn gefahren, haben dort die Bude wieder auf Vordermann gebracht, uns noch nen kleinen Drink gemacht und auch noch ein bisschen was abgefüllt ;-).

Wir sagten Sammy Tschüss, beschlossen, dass wir uns auf jeden Fall wieder sehen wollen und liefen zur Metro, die uns sicher an die Howard Beach Station zum Airtrain brachte. Letzterer kutschierte uns zum Terminal. Der Checkin ging problemlos und schnell und wir hatten noch ne ganze Weile Zeit, die wir damit nutzten uns mal wieder anzustellen. Bei McDonalds. Auch da standen wir bestimmt 20 Minuten um einen Cheeseburger zu bekommen. Also aßen wir uns tranken unser gemischtes Getränk aus und bestiegen dann ziemlich beschwippst die Maschine. Das war auch gut so, das mit dem angetrunken meine ich, denn ich hab fast den ganzen Flug geschlafen. Fast etwas schade, denn dieses Mal hatten wir ein Entertainment Bildschirm im Vordersitz ;-). Angekommen in Spanien gab`s natürlich erstmal Tapas, denn leider hatten wir ne ganze Weile Aufenthalt. Die Zeit verging aber recht schnell und unser Flieger nach Frankfurt hob pünktlich ab. In Frankfurt wurde es dann noch mal spannend, denn es fuhr vom Flughafen kein Zug zum Bahnhof. Notarzteinsatz auf der Strecke. Über den Umweg über Frankfurt Süd kamen wir aber doch wohl behalten am Hauptbahnhof an, nahmen unseren Zug nach Erfurt und waren dann glücklich um kurz nach 10 zu Hause. Bevor ich mich jetzt noch weiter in wohl eher uninteressante Details zur Heimreise verstricke, zeige ich lieber noch den letzten Schwung Bilder:

New York ist eine fantastische Stadt, in die ich auf jeden Fall noch einmal möchte! So richtig gesehen haben wir nur Manhatten, es fehlen uns noch alle anderen Stadtteile, ich möchte gern noch die Strände sehen, immerhin hat New York am südlichen Zipfel Brooklyns Coney Island und Manhattan Beach – würde mich schon interessieren. Dieses Jahr geht’s aber hoffentlich erstmal noch nach Afrika – denn unser richtiger Sommerurlaub steht ja noch aus J.

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